Auktionen - Berlin

Auktionsglamour über Berlin

Robert Wilson feierte bei Elmgreen und Dragset seinen 70. Geburtstag vor, um Spenden für seine Stiftung zu sammeln. Christie`s zeigte zum ersten Mal seit langen in Berlin Werke, die demnächst in London versteigert werden. art-Korrespondentin Birgit Sonna berichtet.

Von Berlin als Kunsthandelsplatz kann man alles mögliche behaupten, aber sicher nicht, dass er ein Epizentrum für Aufsehen erregende Auktionen bilden würde. Sowohl die Auktionshäuser Christie's wie Sotheby's schlossen hier vor Jahren ihre Filialen, weil sie eine dem Geschäftsvolumen entsprechende internationale Klientel vermissten.

Um so gieriger nimmt der Privatsammler und Kunstliebhaber außerhalb der Reihe stehende Versteigerungen vor Ort wahr. Gleich zwei auktionistische Glamourveranstaltungen beschäftigten die Kunstwelt in Berlin Ende letzter Woche. Christie's zeigte bei einem Cocktailempfang am Gendarmenmarkt eine Auslese der Nachkriegskunst und Contemporary Art, die bei der kommenden Abendauktion am 14. Oktober in London aufgeboten sein wird. Theatermann Robert Wilson wiederum lud anlässlich seines bevorstehenden 70. Geburtstags zu einem Dinner plus Benefiz-Auktion für seine Stiftung Watermill Center auf Long Island in das sensationelle Neuköllner Atelier des Künstlerduos Elmgreen & Dragset.

Kommen wir erst zu dem eher klassischen Event, also der Vorbesichtigung von Christie's an diesem bis zu später Stunde sommerlich warmen Berliner Herbstabend. Unter den von Christie's deutscher Chairman-Lady Christiane Gräfin zu Rantzau umschwirrten Gästen sah man Sammler Thomas Olbricht, Galerist Aeneas Bastian und die Kunstberaterin Joëlle Romba. Der in den Kanzleiräumen von K&L Gates gebotene Vorgeschmack auf die Londoner Offerte war mit Bildern von Gerhard Richter, Matthias Weischer, Sigmar Polke stark auf den deutschen Markt ausgependelt. Von Gerhard Richter, der mit fünf abstrakten Bildern am umfangreichsten vertreten ist, wird bis auf das fulminant von Lichtstreifen durchbrochene dunkeltonige Ölgemäde von 1992 (Schätzpreis 2,9 bis 3,9 Millionen Euro) eher handelsübliche Schlierenware unter der für den Malerstar günstigen Millionengrenze angeboten. Polkes über zwei Schauseiten verfügendes "Transparent # 7" von 1988 (290 000 bis 390 000 Euro) zog intensivere Blicke auf sich. Zweifelsohne ein Toplos ist das refotografierte Unikat von Richard Prince, ein Marlboro-Cowboy, für den der Interessent Minimum 1,2 Millionen Euro aufbieten müsste. Erstaunlich auch, welche Preisentwicklung der Japaner Yoshimoto Nara in den letzten 10 Jahren durchlaufen hat. Das ausnahmsweise nicht mit einem zornigen, sondern glücklichen Mädchenabkömmling eines Manga Comics besetzte Bildnis von 1999 ist bei 340 000 bis 560 000 Euro taxiert und damit circa dreimal so hoch angesetzt als zu den ersten Hochzeiten Naras um 2005.

Die qualitativ bei weitem bescheidenere, dafür hinsichtlich des Celibrity-Aufkommens aber um so gloriosere Auktionsveranstaltung fand in dem Pumpwerk respektive Atelier von Elmgreen & Dragset statt. Anlass war der erst am 4. Oktober anstehende 70. Geburtstag des kunstaffinen Robert Wilson. Zu seiner Seite die mädchenhaft reizende Tischdame Prinzessin Caroline von Hannover scherte sich der Wilson nichts darum, dass es womöglich Unglück bringen könnte, wenn man sich bereits Tage vor seinem eigentlichen Festtag beglückwünschen lässt. Nach der Devise: Was der eigenen Stiftung in New York pekuniär nutzt, kann einem selbst niemals schaden! Die Benefizveranstaltung fand zur Unterstützung des Artist-in-Residenz Programm von Wilsons Kunstimperium Watermill Center auf Long Island statt. In seiner Rede bedankte sich Wilson, ganz Charmeur alter Schule, dass man mit ihm diese Stunden des Dolce far niente mit ihm verbrachte. Für die Teilnahme am unter der Schirmherrschaft von etwa Gabriele Henkel, Angelika Taschen und Herbert Grönemeyer organisierten Charity-Dinner bezahlte der Normalgast 750 Euro pro Karte.

Der atemberaubend hohe Raum war mit allerlei Kunstdekor ausstaffiert, darunter einem aus aufblasbaren Puppen und Spielzeug zusammengeballten Kronleuchter von Matthew Salata. In einem Lichkasten räkelten sich zwei nackte Mädchen. Entsprechend wollüstig lockte auch der Veranstaltungstitel "Voluptuos Panic". Nach einigen Cocktails, Dinnergängen und Performances – darunter die waghalsige Abseilaktion der New Yorker Choreografin Lynsey Peisinger von einem Geländer hoch unter dem Dach des Pumpwerks – startete die Versteigerung zum fortgeschrittenen Abend. Die größtenteils auf Papier konzipierten, von den Künstlern gestifteten Arbeiten stießen auf reges Interesse, wie am Ende der Erlös von 63 700 Euro zeigte. Neben der bald ausverkauften Edition zum 70. Geburtstag von Robert Wilson gab es auch Bietgefechte um eine Skulptur von Michael Combs, sowie Fotogravüren von Elmgreen & Dragset. Und wer sich außerhalb seines Tischgevierts in den langen Dinnerreihen umsah, entdeckte, dass sich Wilson zu Ehren wirklich die Crème de la Crème der Kulturszenerie versammelt hatte: angefangen von den Künstlern wie Douglas Gordon und Daniel Richter über die Schauspieler Sunnyi Melles und Clemens Schick bis hin zu den Sammlern Julia Stoschek und Harald Falckenberg. Vielleicht leuchtet Berlin am auratischsten an den im dunklen Kiez verborgenen Produktionsplätzen der Kunst.

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