Aussicht auf Veränderungen - Hamburg

Kunst-Parcours quer durch Hamburg

Mit Kunstprojekten sollen Hamburger Stadtteile näher zusammengebracht werden und Bewohner ihre Vorurteile abbauen. Kreativ, sozial und vor allem nah am Menschen – das Projekt säht Samen für ein gesellschaftliches Miteinander.
Kunst-Parcours quer durch Hamburg:IBA-Ausstellung "Aussicht auf Veränderungen"

Dorothea Carl: "Passagen", Video, 2010

Farbenfroh leuchtet der ehemalige Bushaltestellenpavillon im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, den Andrea Knoblauch mit transparenten, farbigen und spiegelnden Dreiecksflächen in ein begehbares Kaleidoskop verzaubert hat. Der Pavillon, in recht fader Bahnhofsgegend, strahlt mit wundersamen, sich immer erneuernden Mustern und Farben belebende Schönheit und Ruhe aus. In ihm vermengen sich orientalische und abendländische Baugeschichte, wie der Ort, an dem sich das Häuschen befindet. Schließlich leben in Wilhelmsburg Einwanderer aus aller Welt.

Andrea Knoblauch ist eine von vielen Künstlern, die Aussicht auf Veränderung schaffen: Unter dem Motto „Sprung über die Elbe“ hat die Kunstplattform "Akademie einer anderen Stadt" der internationalen Bauausstellung IBA Hamburg Kunst-Parcours mit Entdeckungstouren entworfen, die sich entlang der S-Bahnlinie 3 erstecken: Von Harburg über Veddel und Wilhelmsburg, über die Landungsbrücken bis nach Altona haben Künstler, Bewohner und Kinder beider Elbseiten ihre Gedanken und Wünsche in Kunstwerken zum Ausdruck gebracht. "Wir möchten die unsichtbare Grenze Hamburgs überwinden", deklarierte IBA Geschäftsführer Uli Hellweg am Vorabend der Projekteröffnung.

Die "Akademie einer anderen Stadt" wurde 2009 mit dem Projekt "Zeichen für Respekt" in Wilhelmsburg initiiert und schuf die Vision zur künstlerischen Partizipation an einer internationalen Stadtgesellschaft. Wichtig sei, so Uli Hellweg weiter, dass die Projekte nicht als Monolog der abgeschiedenen Elbinseln verstanden werden, schließlich sei das Ziel der Dialog für ein gemeinsames Städtebewusstsein der Menschen. Die Kunstplattform setzt das Projekt genau dort an, wo Menschen aus unterschiedlichen Stadtteilen unbewusst aufeinander treffen, nämlich in der S-Bahn. Dorothea Carl möchte mit ihrem Videoprojekt auf dem S-Bahnsteig Hamburg Veddel den Menschen das Fremdartige nahe bringen. Über den Lauf eines Jahres filmte sie wartende Menschen an der Bahnhaltestelle. Die Videoinstallation verdichtet ihre Beobachtungen des ganzen Jahres in nur einem Tag und führt dem Betrachter subtil Distanzen unterschiedlicher Art vor Augen.

Ute Vorkoeper, der künstlerischen Leiterin des Projekts, geht es um das aktive Mitgestalten einer Stadtgesellschaft. Genau darin lag wohl auch die Motivation der teilnehmenden Schüler aus Primar- und Sekundarschulen. Schließlich malten die Kinder nicht nur Bilder mit ihren Wünschen, sondern bauten aus Pappe begehbare Traumhäuser, von denen am Ende jeweils einzelne Teile für ein großes gemeinsames Haus vermengt wurden. Die kleinen Baumeister aus Altona und Wilhelmsburg stellten dabei gegenseitig fest: "Das ist anders, was die da machen." Fremd aber schön – so entstand eine riesige Villa Kunterbunt mit kleinen und großen Wünschen von Kindern unterschiedlichster sozialer Hintergründe.

"Die Akademie einer anderen Stadt" wünscht sich mit den rund 20 Kunstprojekten Aussicht auf Veränderung in Richtung Norden und Richtung Süden. Das integrative Projekt soll Vorurteile abbauen und Menschen zusammenführen. Veränderungen, das ist etwas Ungreifbares, ein "Dazwischen", ein "nicht mehr und noch nicht". Es ist ein Antasten an etwas Fremdes. Lassen sie sich also bei ihrer S-Bahn Fahrt bis zum 3. Oktober zu einer interessanten kulturellen Reise durch Hamburg verleiten – es lohnt sich.

"Aussicht auf Veränderungen"

Termin: bis 3. Oktober 2010, Kunst-Parcours quer durch Hamburg entlang der S-Bahn Linie 3
http://www.mitwisser.net/system/category/2010/kunst-parcours

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