Lynn Hershman Leeson - Karlsruhe

Die Frau, die es nicht gibt

Peter Weibel hält Lynn Hershman Leeson für eine der wichtigsten Medienkünstlerinnen unserer Zeit. Die feministische US-Künstlerin und Technikpionierin stellt jetzt folgerichtig im Karlsruher ZKM aus.

Roberta Breitmore besitzt einen Führerschein. Per Zeitungsinserat hat sie einen Mitbewohner gesucht, hat sich zu Dates verabredet und soll auch einige Stunden bei einem Therapeuten gewesen sein.

Viele Spuren führen zu Breitmore – trotzdem gibt es sie nicht. "Lynn Hershman Leeson hat den gesamten medialen Apparat genutzt, um diese Frau aufzubauen", erklärt Peter Weibel, Vorstand des Zentrums für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe. Zwischen 1974 und 1978 hat die Künstlerin sich immer wieder als Roberta ausgegeben und die Existenz der Frau auch auf Postern und Fotografien behauptet, um deutlich zu machen, wie Medien Geschlecht und Wirklichkeit konstruieren.

Weibel hat gemeinsam mit Andreas Beitin im ZKM die Ausstellung "Civic Radar" über das Werk von Lynn Hershman Leeson kuratiert, denn er hält die 1941 in Cleveland geborene Amerikanerin für eine der wichtigsten Medienkünstlerinnen unserer Welt. Im Gegensatz zu vielen ihrer feministischen Kolleginnen sei sie immer auch an technischen Fragen interessiert gewesen. "Sie hat den Genderaspekt um mediale Fragen erweitert", so Weibel. Die 280 Dokumente, Fotos, Texte, Installationen und Videos, die für die Ausstellung zusammengetragen wurden, sollen "das ganze Universum" Hershman Leesons zeigen, die als Performance-Künstlerin angefangen hat, interaktive Installationen und netzbasierte Medienkunst macht, aber auch Spielfilme mit Stars wie Tilda Swinton gedreht hat. Im ZKM werden mehrere ihrer abendfüllenden Streifen gezeigt, darunter der über die Mathematikerin Ada Lovelace (1815 bis 1852), die für einen nie fertiggestellten mechanischen Computer ein Programm entwarf.

Bereits Anfang der achtziger Jahre hat Hershman Leeson mit "Lorna" ein interaktives Kunstwerk geschaffen, bei dem die Zuschauer die Geschichte einer Frau, die unter Spinnenphobie leidet, beeinflussen können. Im ZKM wird die Künstlerin zudem die neue Arbeit "Infinity Engine" präsentieren: Dafür baut sie eine Art Labor auf, in dem das Publikum zu Gentechnik, Fertilitätstechnologien und Leihmutterschaft recherchieren kann und ein 3-D-Biodrucker Teile des menschlichen Körpers nachbauen wird.

Lynn Hershman Leeson: Civic Radar

Karlsruhe, ZKM, bis 29. März 2015

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag zum Preis von 49,80 Euro.

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http://zkm.de/event/2014/12/lynn-hershman-leeson-civic-radar

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