Paul Klee - Bern

Von Engeln und Bengeln

Ein himmlisches Motiv im Werk des Künstlers wird umfassend gewürdigt
Vom Himmel gesandt:Alle 80 Engel von Paul Klee

Paul Klee: "Angelus Novus", um 1920

Schamhaft senkt er die Lider: Der Engel hat seinen Auftrag vergessen und weiß, wie er damit kokettieren kann.

Ein anderer ist ungezogen, der dritte einfach nur hässlich. Die Himmelsboten, die Paul Klee (geboren 1879) gemalt und vor allem gezeichnet hat, haben oft allzu menschliche Schwächen. Sie weinen, sind eitel und lieben die Verstellung. Manchmal lässt der Künstler sie sogar zu Monstern werden: Der "Chindlifrässer" verspeist doch tatsächlich kleine Kinder. Mit ihrer Ambivalenz sind die Engeldarstellungen nicht nur zur beliebtesten Werkgruppe im weit verzweigten Schaffen des Künstlers geworden. Sie tragen auch Grundzüge seines Werks und seines Verständnisses von der Rolle des Künstlers: Er sucht nach einer Spiritualität, die das Menschliche nicht außer Acht lässt.

Die Ausstellung, die Christine Hopfengart im Zentrum Paul Klee konzipiert hat, bringt nun erstmals die rund 80 Engel in Klees Werk zusammen. Die meisten von ihnen sind in den letzten Lebensjahren zwischen 1938 und 1940 entstanden. Klee litt an der unheilbaren Systemischen Sklerose. Die Engel waren ihm Spielfiguren, die es ihm erlaubten, sich mit dem eigenen Ende auseinanderzusetzen. Selbstverständlich ist auch der berühmteste aller Kleeschen Engel zu sehen: Der "Angelus Novus" durfte für die Ausstellung aus dem Israel Museum anreisen. Walter Benjamin sah in seinen aufgerissenen Augen und den weit geöffneten Flügeln das Erschrecken, mit dem das ätherische Wesen vor den Katastrophen zurückweicht, die es in der Zukunft erblickt.

Als Mischwesen hat der Engel in der Gegenwart erneut starke Beachtung gefunden. Dem trägt die Ausstellung mit zwölf Kabinetten Rechnung, in denen die Figur in Fotografie, Film und Videokunst erörtert wird. Von Charlie Chaplins "The Kid" (1921) bis zu Mariko Mori und Eija-Liisa Ahtila wird ein Bogen geschlagen. Engel und Bengel sind darin gleichermassen zu finden.

Die Engel von Klee

Bern, Zentrum Paul Klee
bis 20.1.

Weitere Stationen: Museum Folkwang, Essen, 1. Februar bis 14. April 2013;
Hamburger Kunsthalle, 26. April bis 7. Juli 2013. Der Katalog zur Ausstellung ist im Hatje Cantz Verlag erschienen und kostet 29,80 Euro
http://www.zpk.org/de/ausstellungen/vorschau/die-engel-von-klee-329.html

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