Malcolm McLaren - Art Basel

Künstler sind eine Marke geworden

Auf der "Art Basel" stellt der Künstler, Modedesigner und ehemalige Sex-Pistols-Manager Malcolm McLaren im Bereich "Art Basel Projects" aus. Mit art spricht er über die neue Generation von Künstlern, die seiner Meinung nach Angst hat "sich die Füße nass und die Hände schmutzig zu machen".
Sex, Kunst und Rock'n Roll:"Sex Pistols"-Erfinder Malcolm McLaren im Interview

Ein Film-Still aus Malcolm McLarens "Shallow 3". Eine Frau isst Trauben, im Hintergrund hört man den Gospelsong "Deep River"

Herr McLaren, für einen Menschen, der sein Leben lang für und von der Kultur gelebt hat und lange zur Avantgarde zählte, äußern sie sich recht skeptisch über zeitgenössische Kunst. Was stört sie an den derzeitigen Tendenzen?


Zeitgenössische Kunst handelt heute sehr viel von der Person dahinter. Die Persönlichkeit treibt alles voran, Marketing spielt eine entscheidende Rolle. Die Kunst von Damien Hirst handelt von Damien Hirst.

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Meinen sie, dass Kunst kommerzieller geworden ist und auch die Person dahinter zum Verkauf stehen muss?


Künstler sind eine Marke geworden wie Modedesigner. Damien Hirst ist der Mann hinter der Marke Damien Hirst. Seine Arbeit handelt davon, was er repräsentiert. Er muss sich selbst vermarkten. So ist die meiste zeitgenössische Kunst in der letzten Zeit.

Warum kritisieren Sie speziell Damien Hirst?


Er ist Teil einer Welt, wie wir sie einmal kannten. Das ist altmodisch – ein Schädel mit Diamanten, 150 Angestellte, die für einen arbeiten. Der Manufakturaspekt passt gut in unseren Lebensstil, wo Güter eine große Rolle spielen und der vor allem von Leuten angeführt wird, die Hedge Funds leiten. Aber das ist nicht mehr, wo der authentische Teil der Kultur liegt. Bear Stearns ist gerade zusammengefallen. Diesen Teil der Welt schauen wir uns nicht mehr an.
Es gibt ein Gefühl und Wunsch für etwas mehr Authentischeres: definiert als anti-internet, anti-fast food, anti-schnelle Kunst, anti-schnelle Neuigkeiten.

Was ist denn Ihr Rat an Künstler heute?


Sie müssen aufstehen und sagen, dass sie nicht zu verkaufen sind. Als Teil einer dysfunktionalen Elite können sie es sich leisten aufzustehen und deutlich zu sagen, dass das neue Ideal in dieser Gesellschaft nicht zum Verkauf steht.

Nicht mehr zum Verkauf zu stehen, meinen Sie damit etwas nicht zu machen, bloß weil jemand fragt und dafür zahlt?


Genau.

Was ist denn an der heutigen Kunst ganz konkret das Problem?


Es ist nur wenig menschlich Hand am Werk, alles ist zu technisch. Es ist Weniges, das einen fühlen lässt. Nichts Sexuelles, nichts Sinnliches. Es fühlt sich an wie Laborkunst. Die neue Generation hat Angst sich die Füße nass und die Hände schmutzig zu machen, hat Angst kreativ zu sein. Wenn wir zwischen Authentizität und Karaoke unterscheiden, handelt der authentische Aspekt unserer Kultur davon, die Füße nass und die Hände schmutzig zu machen. Die Karaoke-Welt ist guter, klarer Spaß für die Kernfamilie der Mittelklasse und sehr wichtig: Man kann in der Karaoke-Kultur nicht scheitern, alles wird sofort akzeptiert und wird erfolgreich. Aber in der Authentizität ist das Scheitern ein wichtiger Aspekt. Die Kultur ist angelsächsisch dominiert. Die Latino-Kultur ist zerstört worden, aber wieder dabei sich zu erheben. Sollte Obama US-Präsident werden hat das eine bedeutende Veränderung der dortigen Kultur zu Folge. Er wäre der erste nicht Angelsachse als Präsident.

Sie selber haben auch eine Ausbildung einer Kunsthochschule. Wann kommt die nächste Kunstausstellung?


Ich werde auf der Art Basel im Bereich Projects ausstellen, eine Serie musikalischer Gemälde, 21 Stück, figurativ. Es handelt alles von Menschen, die gerade davor sind, Sex zu haben. Sie haben keinen Sex, sind aber kurz davor. Die Porträts bewegen sich wie Filme. Jungs mit Mädchen, Mädchen mit Jungs, Jungs und Jungs, gleichzeitig wird Musik gespielt, die ganze Musikgeschichte.

Sie bringen Musik und Sex wieder zusammen, Sex und Rock n Roll sozusagen?


In der Popkultur dreht sich alles darum, Sex zu haben. Das war, was ich am Rock 'n' Roll mochte, und ich will diesen Moment wiederherstellen. Ich kann mich so lebendig daran erinnern an das Alter von 13, 14 Jahren. Ich weiß nicht, ob die Jugendlichen in diesem Alter noch das selbe fühlen, aber ich nehme es an. Indem auf andere Menschen geschaut wird, die kurz davor sind Sex zu haben, wird dieser Moment wieder hergestellt. Ich erinnere mich selber daran in diesen Situationen kurz vor dem Sex zu sein. Die Arbeit fängt die Aufmerksamkeit der Leute, egal welchen Alters. Niemand anders hätte das machen können. Es ist seltsam das zu sagen, aber ich glaube es. Der Titel der Arbeit ist "shallow" (oberflächlich). Die Erfahrungen der Popkultur sind alle sehr oberflächlich. Aber das Oberflächliche kann manchmal auch sehr tief gehen.

Sie haben mal gesagt, dass die schönsten Mädchen auf die Kunsthochschule gingen und sie deshalb auch dahin wollten. Ist das immer noch ein Argument Kunst zu studieren?


Das weiß ich nicht. Damals habe ich anders auf die Mädchen geschaut.

"Art Basel"

Termin: bis 8. Juni, Messe Basel.
http://www.artbasel.com/

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