Bruce High Quality Foundation - New York

Das Insider-Kollektiv

Einst war das Künstlerkollektiv Bruce High Quality Foundation ein gefeierter Outsider der Szene. Doch das Blatt hat sich gewendet. Eine Ausstellung im Brooklyn Museum zeichnet nun ein anderes Bild.

Wie zu erwarten ist die riesige Ratte vertreten und empfängt die Besucher der ersten, großen Museumsausstellung der Bruce High Quality Foundation gleich am Eingang. Gewöhnlich stellen die Gewerkschaften das aufblasbare Tier mit den ausgefahrenen Krallen als Zeichen des Protests vor Unternehmen auf, um die Öffentlichkeit darauf hinzuweisen, dass nicht mit Gewerkschaftsmitgliedern gearbeitet wird.

Die Bruces, wie das Künstlerkollektiv kurz gerufen wird, erklärten die Ratte zur ihrem Maskottchen. Seitdem taucht sie in regelmäßigen Abständen bei Ausstellungen der Truppe auf.

Eine hübsche Idee, die sich inzwischen abgenutzt hat. 2001 fanden sich die Brooklyner Bruces zusammen und traten an, um die Kunstwelt aufzumischen. Sie gründeten ihre eigene Schule. 2010 organisierten sie eine Gruppenshow in einem leerstehenden Laden in SoHo, bei der sie die Wände mit Arbeiten von jungen Kollegen neben bekannten Künstlern wie Cindy Sherman oder Damien Hirst pflasterten und sich gut gelaunt mit Dosenbier betranken. Organisiert wurde die Ausstellung von dem damals 23-jährigen Vito Schnabel, Sohn der New Yorker Kunst-Hoheit Julian Schnabel. Die Brucennial wurde seitdem an unterschiedlichen Orten neu aufgelegt.

Die erste Ausgabe war eine Antwort auf die Biennale im Whitney Museum, wo sich die Truppe mit einer cleveren Arbeit hervortat, die gleich auf mehreren Ebenen funktionierte. Sie stellten einen alten Cadillac in das Museum, der früher sowohl als Kranken- als auch als Leichenwagen gedient hatte, in dem Hollywood-Streifen "Ghost Busters" zum Einsatz kam und in dem Joseph Beuys für seine berühmte Performance "I Like America and America Likes Me" zur Galerie gefahren wurde. Auf der Windschutzscheibe lief ein Mix aus Hollywood-Streifen, YouTube-Videos und Ausschnitten aus den Fernsehnachrichten, während eine Stimme die gestörte Beziehung zum Lover Amerika beklagte.

Kaum eine Arbeit im Brooklyn Museum reicht an den Cadillac von damals heran. Beim Eröffnungsempfang wurden bunte Kinder-Süßigkeiten zum Wodka gereicht. Zigarettenkippen in Flachmännern dienten nicht nur als Bar-Deko, sondern finden sich in vielen Arbeiten der Bruces wieder. Als Ausdruck männlichen Machowahns stecken die Kippen respektlos in Bildern, kleinen Kitschfiguren oder Büsten. Ein Wischmopp lässt den schmalzigen Song "Con te Partiro" ertönen. Diverse Ausführungen der "Public Art Tackle"-Aktionen der Truppe sind zu sehen. Sei es, dass sie in Robert Indianas berühmte LOVE-Skulptur zu kriechen versuchen oder Picassos "Les Demoiselles d'Avignon" mit nackten Männern nachstellen. Das Ergebnis sind amüsante, bemühte Gesten, die jedoch ebenso wie die Bilder von den brennenden Twin Towers bedeutungslos im Raum stehen bleiben. Das mit Mitgliedern des Kollektivs auf einem Foto nachgestellte Gemälde "Das Floß der Medusa" von Théodore Géricault soll wohl den Untergang des Mittelklasse-Amerikaners darstellen und ist doch nicht mehr als ein Insider-Witz.

Den Nachbau eines Klassenzimmers mit unoriginellen Kinderschmierereien an der Tafel und aufgereihten Büsten, die wieder respektlos mit Farbe beschmiert wurden, ergänzten die Bruces mit simplen Kopien von römischen oder griechischen Ausgrabungsstücken, die ebenfalls aus Kinderhänden stammen könnten. Am interessantesten ist die Arbeit, die der Show den Titel gab: Eine Orchester-Aufzeichnung von "Ode to Joy", Beethovens "Ode an die Freude", die offizielle Europa-Hymne, von den Nazis als Heldensinfonie vereinnahmt, läuft auf einem Fernseher, der auf einem Stück Styropor in einem mit Wasser gefüllten Kinderpool sitzt – Europa als eine luftige Idee, eine brüchige Insel, die kurz vorm Absaufen steht.

Die Mitglieder der anynonymen Truppe, die sich nicht fotografieren lässt und Interviewfragen kollektiv per Email beantwortet, waren bei der Eröffnung an ihrem Brooklyner Hipster-Look – Hochwasserhosen zu Boots – zu erkennen. Längst gelten die Bruce als die Darlings der New Yorker Kunstwelt. Dass sie sich unter die Fittiche von Vito Schnabel mit all seinen Verbindungen begeben haben, spricht nicht gerade von Rebellentum. Die Bruces sind Insider der Kunstszene, über die sie sich gern lustig machen. Doch sie tun immer noch so, als ob sie Outsider wären.

The Bruce High Quality Foundation: Ode to Joy, 2001–2013

Termin: bis 22. September 2013, Brooklyn Museum, New York
http://www.brooklynmuseum.org/exhibitions/bruce_high_quality/