New Frankfurt Internationals - Ausstellung

Hetzjagd durch Raum und Zeit

Das MMK und der Frankfurter Kunstverein suchen nach einer gemeinsamen Geschichte von 40 mit Frankfurt verbundenen Künstlern. Sie spannen einen Kosmos des Erzählens auf, der nicht immer fesselt

Wachteleier, ein Stiftemuseum, japanische Toiletten, Schokolade, Paris, Rauch, Perfektion, Detroit, Avocados, Telefonkarten, Essstäbchen – in atemloser Geschwindigkeit braust die Geschichte vorbei. Bevor man überhaupt realisiert, was man gehört oder gesehen hat, bevor man beginnt, zuzuordnen und zu sortieren, ist der Erzähler schon etliche Stationen weiter.

Eine Performance von Tris Vonna-Michell gleicht einem Parforceritt durch Orte, Zeiten und Rhythmen. Mit der gefühlten Geschwindigkeit eines Ultraschallflugzeugs jagt der Künstler durch sein teils fiktives, teils autobiografisches Universum, in dem halbierte Knickebeineier ebenso vorkommen wie geschredderte Stasi-Akten oder Tempotaschentücher auf den Hörern öffentlicher Telefonzellen. Und obwohl es diesmal gar keine Live-Performance ist, sondern lediglich seine Tonbandstimme sowie ein Diaprojektor und diverse Texte und Relikte, die der Brite im Frankfurter Kunstverein aufgebaut hat, verstrickt man sich binnen kürzester Zeit in einem komplizierten Geflecht aus Assoziationen und Bezügen, folgt fasziniert diesem oder jenem Strang und verliert zwangsläufig immer den Faden.

Mit Frankfurt verbindet Vonna-Michell, der in Stockholm lebt, die Tatsache, dass er an der Städelschule studiert hat. Das haben freilich viele. Andere Ausstellungsteilnehmer wurden in Frankfurt geboren oder leben hier. Die Kuratoren Lilian Engelmann (Frankfurter Kunstverein), Bernd Reiß (MMK) und Jonas Leihener (Städelschule) haben aus dem üppigen Fundus der mit Frankfurt Verbundenen 40 Künstler ausgewählt, die sich mit diversen Möglichkeiten des Erzählens beschäftigen. Eine dem Vonna-Michells-Kosmos vergleichbare Dichte und Vielschichtigkeit zu erzeugen ist den Ausstellungsmachern jedoch nicht geglückt – zu unterschiedlich ist die Qualität der präsentierten Positionen, zu verschieden sind die Methoden.

Während etwa die Gruppe Red Park mit einer mäßig originellen Installation den Besucher auffordert, sich „dem alltäglichen Beschäftigungszwang“ zu verweigern und in einem Faultierkostüm in der Hängematte zu liegen, hat Carsten Fock in seiner Rauminstallation ein komplexes Netz aus Verweisen gewebt, in dem der Name einer Kaffeemarke, die Entführung Hanns Martin Schleyers, Kate Moss’ Parka und diverse Mariendarstellungen ein suggestives Ornament bilden. Shane Munro wiederum verknüpft die Historie des Ortes mit Kunst- und Raumfahrtgeschichte. Seine Skulptur "Untitled (Endless Column and Skylark Rocket)" hat der Künstler geschickt in eine dem Kunstverein gegenüber liegende Baustelle integriert. Dass das Gerüst, in das Munro "die letzte britische Höhenforschungsrakete vom Typ Skylark" eingefasst hat, Bauelemente von Constantin Brancusis "Endloser Säule" aufgreift, erkennt aber nur der, der es weiß.

New Frankfurt Internationals. Stories and Stages

Frankfurter Kunstverein, MMK Zollamt, Frankfurt am Main, bis 13.2.

Der Kurzführer zur Ausstellung kostet zwei Euro

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