One on One - Berlin

Allein mit der Kunst

Endlich ungestört vor dem Kunstwerk: Die Ausstellung "One on One" im Berliner KW Institute for Contemporary Art lässt die Besucher einzeln vor die Kunst treten.

Was die Besucherzahlen betrifft, funktionieren Museumsdirektoren heute wie Fernsehmacher. Immerzu schielen sie auf die Quote.

Warum eigentlich? Jeder Kunstliebhaber weiß: Je weniger im Museum los ist, desto lohnender ist meist der Besuch. Nichts geht über die Erhabenheit des Moments, den man allein mit der Kunst in einem Museumssaal verbracht hat. Überfüllte Ausstellungen machen hingegen das Hineindenken in ein Werk der Kunst und den Ideenkosmos eines Künstlers unmöglich. Allein nur deshalb wären manche Leute bereit, für eine stille Stunde allein mit der Mona Lisa viel Geld zu zahlen. Mit der Ausstellung "One on One" hat Susanne Pfeffer nun gleich ein ganzes Ausstellungskonzept um die ungestörte Zweisamkeit des Betrachters mit dem Werk geschmiedet: "Es geht um eine konzentrierte und intime Rezeption von Kunst", sagt die Kuratorin, die sich so nach sechsjähriger künstlerischer Leitung der Kunst-Werke aus der Auguststraße verabschiedet.

Für ihren Ausstand hat sie 17 Künstler – darunter der Berliner Fotograf Tobias Zielony, die polnische Bildhauerin Alicja Kwade, der in Berlin lebende Anri Sala, die Amerikanerin Trisha Donnelly und der Deutsche Hans-Peter Feldmann – gebeten, neue Arbeiten für die spezifische Situation zu entwerfen, in der ein Betrachter allein auf die Kunst trifft. Das Betreten jedes Raums soll so eine persönliche Expedition durch die Denk- und Seinswelten der zeitgenössischen Kunst eröffnen. Dabei sollen alle Werke den Betrachter "direkt und indirekt" (Pfeffer) thematisieren. Deshalb darf man gespannt sein, ob es mit dieser bewussten Setzung gelingt, ein wenig Sand in die allzu gut geölte Maschine der gegenwärtigen Ausstellungsproduktion zu streuen und die Muße der Betrachtung gegen die Flüchtigkeit in der Begegnung mit der Kunst zu stärken.

One on One

Berlin, KW Institute for Contemporary Art
bis 20.1.
Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung
http://www.kw-berlin.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=22&Itemid=39&lang=de

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