Goldener Drache – Weißer Adler - Dresden

Ein spannendes Rendezvous

Höhepunkt der Ausstellungsserie "Dresden in China" im Schloss Pillnitz – mit Schätzen aus dem Palastmuseum in Peking.

Er ließ sich wie ein westlicher Herrscher zu Pferde porträtieren, sein Sommerpalast Yuanming Yuan wurde im europäischen Stil errichtet, und er hielt sich einen französischen Hofmaler: Kaiser Qianlong (1711 bis 1799) steht exemplarisch für die Öffnung Chinas für westliche Einflüsse im 18. Jahrhundert.

Bereits sein Großvater Kangxi (1654 bis 1722) war Europa zugeneigt und ließ sich von Jesuiten ausbilden. Zeitgleich brach an den Höfen des europäischen Absolutismus ein regelrechter Chinoiserie-Wahn aus. Besonders in Dresden sind bis heute dessen Zeugnisse zu bewundern: das Pillnitzer Lustschloss im Asia-Stil oder feine Porzellane mit Drachendekor.

Die Ausstellung "Goldener Drache – Weißer Adler" stellt erstmals die Formen höfischer Repräsentation in Ost und West unmittelbar gegenüber: Festkultur, Zeremoniell, Architektur, Kunst und Politik gehören zu den Themen. Über 400 Exponate aus dem Palastmuseum der Verbotenen Stadt in Peking und den Kunstsammlungen Dresden zeigen, wie ähnlich die Prunkentfaltung der kunstsinnigen Despoten ablief.

Bizarrer Geweihthron von Qianlong

So trifft ein vergoldetes Hirschgeweih aus dem Besitz von August dem Starken (1670 bis 1733) auf einen bizarren Geweihthron von Qianlong und demonstriert, welch hohen Stellenwert die herrschaftliche Jagd in beiden Reichen einnahm. Riesige Rollbilder mit Festaufzügen treffen auf Kulissen und Kostüme barocker Opernaufführungen und illustrieren den enormen Aufwand fürstlicher Belustigungskultur. Und das Reiterbild Qianlongs trabt auf eines von August II. zu.

Zugegeben, zwar nimmt sich der sächsisch-polnische Hof hinsichtlich seiner Machtfülle im Vergleich zum Reich der Mitte eher niedlich aus, doch Kuratorin Cordula Bischoff erklärt: "Nach Versailles und Wien war Dresden einer der wichtigsten Höfe, an dem Kunst als Machtfaktor eingesetzt wurde."

In diesem Sinne vollzieht sich in den einstigen Paraderäumen des Dresdner Schlosses das spannende Rendezvous zwischen "Goldenem Drachen" und "Weißem Adler" – natürlich im Zusammenhang mit der seit Monaten laufenden Ausstellungsserie "Dresden in China".

"Goldener Drache – Weißer Adler"

Termin: 11. Oktober bis 11. Januar 2009. Katalog: Hirmer Verlag, 49,90 Euro
http://www.skd-dresden.de

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