Damien Hirst und Michael Joo - Berlin

Kunst ist ein schlechtes Picknick

In Berlin stellt Damien Hirst einige seiner kapitalen Werke aus, zusammen mit seinem alten Künstlerfreund Michael Joo. Michael wer?
Kunst ist ein schlechtes Picknick:Damien Hirst & Michael Joo

Buddys: Damien Hirst und Michael Joo in der Ausstellung "Have You Ever Really Looked at the Sun?", 2010

Sie sind gute Freunde, kennen sich schon seit fast 20 Jahren. Beide tragen die gleichen Ringe am Finger, beide spielen gerne Poolbilliard, beide sind Künstler Mitte 40.

Es gibt eigentlich nur zwei wirklich erwähnenswerte Unterschiede zwischen diesen beiden Männern: Der eine ist als Kind koreanischer Eltern in New York aufgewachsen, der andere in Leeds, einer Industriestadt im Norden Englands. Der andere Unterschied: Der eine ist ein erfolgreicher Künstler, der schon an vielen Gruppenausstellungen und Biennalen teilgenommen hat und bestimmt ein gutes Auskommen hat. Der andere ist Damien Hirst.

Hirst ist der reichste Künstler des Planeten, sein Vermögen wird auf eine Milliarde Dollar geschätzt. Da entsteht zwangsläufig eine gewisse Asymmetrie, wenn diese beiden Künstler gemeinsam eine Ausstellung bestreiten. Unter dem Titel "Have you ever really looked at the sun" stellen die beiden nun in der Christie's-Galerie Haunch of Venison in Berlin aus. Vorher trafen sie sich zum Gespräch mit art. Vom doch sehr unterschiedlichen Karriereverlauf der beiden war kaum etwas zu merken; man hatte das Gefühl, zwei Buddys gegenüberzusitzen, die sich zusammen etwas ausgedacht haben. "Kunst ist manchmal wie ein schlechtes Picknick", sagt Hirst an einer Stelle, und beide lachen. Einmütig geben sie zu Protokoll, Museen seien überbewertet, und schwindelerregende Preise für Kunstwerke seien eigentlich etwas ganz normales. "Ich sehe nicht ein, warum meine Sotheby's-Auktion ein Ausverkauf gewesen sein soll", sagt Hirst. "Die Arbeiten sind gut, die Leute mögen sie. Sie hängen ja an den Wänden, werden nicht als Geldanlage in den Safe gepackt."

Die Berliner Ausstellung der beiden zeigt in zwei Hallen großformatige Skulpturen und Gemälde. Der künstlerische Ansatz der beiden ähnelt sich in der Tat; wie Hirst interessiert sich auch Joo für die Natur: Eine Metallskulptur zeigt ein Zebra, es steht in der Ausstellung einen von Damien Hirst in Formaldehyd eingelegten Zebra gegenüber. Joo zerlegt Baumstämme und Geweihe und setzt sie mit Hilfe von Metallgerüsten wieder zusammen: Der Touch von Naturkundemuseum, der Hirsts Arbeiten umgibt, ist auch bei Joo zu spüren.

Viel Aufwand wurde getrieben, um die kapitalen Werke hierher zu transportieren und aufzubauen: Es ist hochwertige Kunstmarktkunst, bei der man oft nicht weiß, was einem da eigentlich einen Schauer über den Rücken jagt: das Thema Tod und Vergänglichkeit, das in allem mitschwingt, oder das unglaublich viele Geld, das für diese Werke bezahlt wird.

Das Interview finden Sie in der Juliausgabe von art.

"Have you ever really looked at the sun"

Termin: 1. Mai bis 14. August, Haunch of Venison, Berlin.
http://www.haunchofvenison.com/en/#page=berlin.current.damien_hirst_michael_joo