Meisterwerke? - Centre Pompidou-Metz

Covergirl mit inneren Werten

Außen pfui, innen hui! Ein Rundgang durch das neu eröffnete Museum Centre Pompidou-Metz in Frankreich.
Covergirl mit inneren Werten:Das neue Centre Pompidou in Metz

Schwerfälliger Zweckbau statt leichtfüßigem Zelt: das neue Centre Pompidou in Metz

Der vom japanischen Architekten Shigeru Ban entworfene und gemeinsam mit dem Franzosen Jean de Gastines realisierte Ableger des Pariser Centre Pompidou ist ein Covergirl, eine Schönheit bloß fürs Foto. Vom windigen Vorplatz gesehen verliert das reale Gebäude schnell an Sexappeal: Billig und zu schnell gebaut, entpuppt sich das vermeintlich leichtfüßige Zelt als schwerfälliger Zweckbau, eine verwirrende Mischung von Beton, Holz, Stahl, Glas, Textil und Kunststoff, ein Zwischending aus Nomadenheim und Container, dessen architektonisch gänzlich verunglückte Rückseite eher in eine Gewerbezone als zu einem Kulturbau passt.

Dafür versöhnt das Innenleben: Es bietet eine lichte, offene Vorhalle, reichlich Ausstellungsfläche und eine gewitzte Innenarchitektur, die Dank spitzwinkliger Kabinette, eingeschobener Quader, durchbrochener Trennwände und offener Videoprojektionen insgesamt 780 Werken leicht Platz bietet. Darüber hinaus trumpft es mit einer intelligent konzipierten Eröffnungsausstellung auf, die unter dem Titel "Meisterwerke?" mit erfrischenden Dialogen und viel
Gespür für museale Unterhaltung auf vier Etagen Malerei, Skulptur, Design und Film zu einem Potpourri des 20. Jahrhunderts zusammenwirbelt.

Jedes Stockwerk geht dabei das "Meisterwerk"-Thema anders an. Und einigen der Künstler – Henri Matisse und Constantin Brancusi etwa – begegnet man über die Etagen verteilt immer wieder. Es beginnt im Erdgeschoss mit nur selten gezeigten historischen Inkunabeln aus den Beständen des Centre Pompidou, das immerhin über eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst verfügt. Im zweiten Stock wird die Kunst ihrem Präsenationsrahmen gegenübergestellt: mit einem Dutzend großer Architekturmodelle französischer Museen und einer Serie mit monochromen Gemälden des Schweizers Rémy Zaugg, in der das Sehen selbst thematisiert wird.

Eine weitere Etage liefert etwas mühsame Erklärungen, was Werke überhaupt zu Meisterwerken macht – von Yves Kleins Körperabdrücken bis Joseph Kosuths Konzeptkunst. Wiederum ganz anders präsentiert sich das Kapitel, das nach ihrer "Nachhaltigkeit" fragt: Hier wechseln sich ethnologische Objekte mit Kunst von Pablo Picasso und Jean Dubuffet, aber auch von Gegenwartskünstlern wie Christian Boltanski oder Ben Vautier ab. Letztere sorgen dafür, dass auch die zeitgenössische Kunst einen Platz findet – wenn auch nur die heimische. Denn das Pompidou-Metz bleibt vor allem ein Museum für Franzosen. Damit ist es für internationale Kunstkenner vorerst noch keine Reise wert.

Centre Pompidou-Metz

Der Katalog zur Eröffnungsausstellung kostet 49 Euro, der zur Ausstellungsarchitektur kostet 39 Euro
http://www.centrepompidou-metz.fr/

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