Raffael - Städel

Außerordentlich glücklich

Es war ein geschickter Handel: Zu einem Preis "deutlich unter Marktwert" für ein Gemälde aus der Werkstatt von Raffael erwarb das Städel Museum ein Papst-Porträt. Nun wurde es in Frankfurt präsentiert.
Ankauf aus Privatsammlung:Das Städel präsentiert Papst-Porträt von Raffael

Raffael (Raffaello Santi) und Werkstatt(1483–1520): "Bildnis des Papstes Julius II.", 1511/12 Pappelholz

Das Frankfurter Städel-Museum hat ein Gemälde von Raffael gekauft, das lange Zeit als Kopie galt, nun aber als eine von mehreren parallelen Fassungen angesehen wird. Es handelt sich um ein Porträt von Papst Julius II., das zwischen 1511 und 1512 in Rom entstanden ist.

"Wir schätzen uns außerordentlich glücklich, ein so hochkarätiges Werk der Hochrenaissance für unsere Altmeistersammlung gesichert zu haben", sagte Städel-Direktor Max Hollein am Dienstag.

Von dem Werk existieren mehrere Fassungen; eine hängt in London, eine in Florenz. Die dritte Fassung galt lange als Werk eines Raffael-Nachahmers. Es wurde 2007 in Wien versteigert, 2010 kaufte das Städel aus einer Privatsammlung heraus – zu einem "deutlich unter dem Marktwert liegenden Preis für ein solches Gemälde". Nach "umfangreichen Untersuchungen" und gründlicher Restaurierung ist das Städel nun sicher, dass es sich um eine "bislang unbekannte Fassung des Porträts von Raffael und seiner Werkstatt" handelt. "Alle Untersuchungsergebnisse belegen zweifelsfrei die Entstehung des Werks in einer italienischen Künstlerwerkstatt des frühen 16. Jahrhunderts", sagte der Sammlungsleiter "Alte Meister", Jochen Sander. Er geht davon aus, "dass es in der Raffael-Werkstatt mehrere parallele Fassungen gab".

Das Bild ist 106 mal 78 Zentimeter groß und auf Pappelholz gemalt. Es kann ab 15. Dezember besichtigt werden, wenn der neu gestaltete Sammlungsbereich "Alte Meister" eröffnet wird. Im November 2012 widmet das Städel dem Julius-Bild dann eine eigene Sonderausstellung: "Raffael und das Bildnis Julius' II. Bildpropaganda eines Renaissance-Papstes". Das Städel versucht, dafür auch die Florentiner und die Londoner Fassung auszuleihen. dpa