Jordaens - Kassel

Mythologie statt Völlerei

Eine Ausstellung im Fridericianum zeigt eine andere Seite des Genremalers Jacob Jordaens und den Einfluss des Großmeisters des Flämischen Barock auf die Gegenwartskunst.

Mit dem Namen Jacob Jordaens (1593 bis 1678) verbindet man deftige Szenen aus dem Milieu der Bauern und einfachen Bürger: Volkstümliche Genreszenen wie die feuchtfröhlichen Völlereien um den "Bohnenkönig" am Dreikönigstag machten den Maler bekannt, der neben Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck zu den Großmeistern des Flämischen Barock gehörte.

Dass er nicht nur diese aus dem prallen Leben gegriffenen Szenen hinterlassen hat, sondern auch ein reiches Werk, das tief in der Welt der Antike und der Mythen gründet, zeigt jetzt eine Ausstellung in der Kasseler Kunsthalle Fridericianum. "Jordaens und die Antike" entstand in einer Kooperation der "Museumslandschaft Hessen Kassel" (MHK) mit den Königlichen Kunstmuseen in Brüssel. Jordaens hatte sich in seinen mythologischen Gruppenszenen wohl vor allem an Vorbildern aus der Antike orientiert: Seine Bacchanale – eine Version des Themas kommt aus Brüssel – zeigten häufig die auf engem Raum arrangierten Figuren, wie man sie etwa von antiken Sarkophagen kennt. Zum Vergleich ist in der Kasseler Ausstellung ein Beispiel aus der Sammlung des MHK, ein "Dionysischer Jahreszeitensarkophag", integriert. Während auch in seinen Mythologien das pralle Leben regiert, fiel sein "Triumph des Bacchus" aus der Kasseler Gemäldegalerie auffallend moderat aus. Meist als "Schutzpatron des sorglosen, ungezügelten Lebens" dargestellt, als "unbändiger Prasser", so Jordaens-Biograf 
R. A. d’ Hulst, ist er in der Kasseler Variante des Themas ein "schlanker, liebenswürdiger Jüngling".

Parallel zum Blick auf die Antike verfolgt die Ausstellung "Jordaens und die Moderne", wie Gegenwartskünstler vom Alten Meister beeinflusst worden sind. Bei Johannes Grützke und Hubertus Giebe erinnern die blockhaft verdichteten Figurengruppen an Jordaens Manier, Menschen auf engstem Raum zusammenzufügen. Rainer G. Mordmüller kehrt immer wieder zu einem Liebligsthema des Flamen zurück, der Tischgesellschaft.

"Jordaens und die Antike
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Termin: bis 16.6., Kunsthalle Fridericianum in Kassel. Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog zur Ausstellung kostet 39 Euro

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