Xanti Schawinsky - Zürich

Tanz auf der Leinwand

Der kaum bekannte Bauhaus-Künstler Xanti Schawinsky wird endlich wiederentdeckt. Das Züricher Migros-Museum widmet ihm eine große Ausstellung.

Bescheiden war er nicht: "Ich bin der Geist, der das Bauhaus verfolgt", beschrieb Xanti Schawinsky seine Rolle an Deutschlands berühmtester Kunstschule und deutete mit der saloppen Formulierung zugleich an, dass sich so eine Herkulesarbeit nur spielerisch, mit Humor und Eleganz, erfüllen lässt.

Xanti – eigentlich Alexander – Schawinsky war einer, der vielleicht nicht alles gleich gut konnte, der aber alles probieren wollte und dabei auch noch offen blieb für die gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit. Die Kunst war eine Performance so gut wie das Leben, vielleicht nicht ganz so ernst, aber mit mindestens so vielen Möglichkeiten, die man ausprobieren und miteinander verbinden konnte.

Als das 1904 in Basel geborene Kreativbündel 1924 nach Weimar ans Bauhaus kam, hatte er in Köln schon eine Ausbildung als Architekt und Grafiker hinter sich. Er fotografierte, zeichnete, malte, musizierte, war Intimus von Walter Gropius. Vor allem aber war er von der Bühne fasziniert. Bei Oskar Schlemmer lernte er, wie man organische und mechanische Körper, Mensch und Maschine verbindet. Bald schon entwickelte Schawinsky eine neue Art des Theaters. Er nannte es "Spectodrama", angeregt war es vom Ballett, ausgerichtet aber war es darauf, alle Medien einzubeziehen. Als er 1936 von Josef Albers ans "Black Mountain College" in North Carolina geholt wurde, auch um ihn vor den Nazi-Schergen zu retten, entwickelte Xanti Schawinsky dieses Konzept fort, beeinflusste damit den großen John Cage und wurde zu einem Vater des Happenings. Und gewann angesichts des maschinellen Tötens in Holocaust und Weltkrieg Skepsis gegenüber dem Maschinenideal seiner Bauhaus-Zeit.

Wenn einer so vielseitig ist und mühelos zwischen Genres und Tätigkeiten wechselt – vor seiner Emigration in die USA entwarf er in Mailand noch bahnbrechende Plakate und Industriedesigns –, muss er für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden. Schawinskys Wiederentdeckung ist seit ein paar Jahren in Gang. Nachdem das Werk 30 Jahre durch einen Rechtsstreit blockiert war, richtete sein zweiter Sohn 2012 in Zürich eine Stiftung ein, Ausstellungen von New York bis Norwegen folgten. Mit einer großen Retrospektive erinnert das Migros-Museum jetzt an den 1979 gestorbenen Künstler, dessen unglaublicher Einfallsreichtum beeindruckt. Selbst das klassische Medium der Malerei hat er erweitert: Bereits in den fünfziger Jahren fertigte er Bilder, indem er auf den farbgetränkten Leinwänden tanzte oder mit seinem Sportwagen darauf Pirouetten drehte.

Xanti Schawinsky

bis zum 17. Mai 2015 im Züricher Migros-Museum zu sehen.

Gegen Vorlager der artCard erhalten Sie ermäßigten Eintritt.
http://www.migrosmuseum.ch/de/ausstellungen/jahresprogramm/xanti-schawinsky/