Sante d'Orazio - NRW-Forum

Falsche Priester und zerkratzte Promis

Verwirrende Bilder von nackten Frauen, deren Gesicht unkenntlich gemacht wurde, und von Mönchen, die nur vorgeben, einer zu sein, erwarten die Besucher in der Ausstellung "Double Cross" des New Yorker Aktfotografen Sante d'Orazio im NRW-Forum Düsseldorf.
Nackte Frauen und geheimnisvolle Mönche:Sante d'Orazios Ausstellung im NRW-Forum

Selbstportrait von Sante D’Orazio aus seiner Serie "Scratches"

Die Gesichter auf den Fotografien sind zerkratzt und völlig unkenntlich gemacht. Da passt der Titel der Fotoreihe "Scratches" (zu deutsch: Kratzer) perfekt. Den internationalen Models und Promis, die der Starfotograf Sante d'Orazio auf diesen Fotos erotisch und gewagt in Szene setzt, wird es wohl recht sein, dass man sie nicht benennen kann.

Sante d'Orazio, der bereits als Nachfolger des gestorbenen Topfotografen Helmut Newton gehandelt wird, sagt über die Entstehung dieser Fotoreihe: "Ich mache seit über 25 Jahren Fotos mit einigen der schönsten Frauen der Welt. Und so kam ich im Lauf der Zeit zu manchen unartigen Fotos für meine Sammlung. Mich haben diese Bilder immer am meisten interessiert und gereizt – aber ich hätte meine Modelle nie kompromittiert."

Um die Bilder von Models und Stars wie Angelina Jolie, Pamela Anderson oder Johnny Depp dennoch ausstellen zu können, kam der Italo-Amerikaner auf die Idee, die Gesichter auf den Negativen einfach wegzukratzen und war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden: "Die Wirkung war phantastisch, völlig neu, geheimnisvoller und viel sexier als das Original, eine Art Memento mori."

Die extrem ausdrucksstarken, oft spontan wirkenden, erotischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Prominenten wie Anthony Kiedis, dem Frontmann der Gruppe Red Hot Chili Peppers, Schauspielerinnen wie Michelle Pfeiffer und Sophia Loren und den Supermodels der ersten Stunde wie Christy Turlington machten den Aktfotografen weltberühmt. Der mittlerweile 50-Jährige war seit Mitte der achtziger Jahre einer der Großen der Modefotografie und fotografierte auch die letzte Schau des Modezaren Gianni Versace.

Die Ausstellung "Double Cross", die im NRW-Forum in Düsseldorf am Samstag eröffnet wird, zeigt neben den Kratzbildern auch neue Arbeiten: Hinter dem Werktitel "Priests" (Priester) verstecken sich nicht etwa Kirchenangehörige, sondern die bedeutendsten Künstler von heute. Zeitgenossen wie Damien Hirst, Jeff Koons oder Ed Ruscha steckte der Fotograf in eine Kutte und ließ sie gottesfürchtig oder missionarisch auftreten.

So offenbart Hirst in den Bildern scheinbar seinen Glauben an Tod und Teufel, während Jeff Koons sich in einen naiven Hirten Gottes verwandelt. Was auf den ersten Blick blasphemisch wirken mag, öffnet beim näheren Hinsehen aber einen Blick in die Seele des porträtierten Künstlers.

"Sante d'Orazio. Double Cross"

Termin: 19. April bis 22. Juni. NRW-Forum, Düsseldorf.
http://www.nrw-forum.de/index.php?f_articleId=575

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