Yoko Ono - Interview

Klarer Geist

Nach ihrem 80. Geburtstag im Februar ist Yoko Ono höchst aktiv: Ihre Arbeit "Arising" ist einer der Höhepunkte der Biennale, in Hamburg tritt sie diese Woche beim Sommerfestival auf und im September erscheint ein neues Album der Plastic Ono Band.
Der Aufschrei der Kunst:Yoko Ono spricht über ihre Arbeit "Arising"

Yoko Ono

Im Mai rief Yoko Ono die Frauen der Welt auf, zu schreiben, welchen Schaden Männer ihnen zugefügt haben. Seitdem erhält Ono eine Flut von Briefen und Emails. Eine Auswahl von ihnen ist zur Zeit in Venedig unter dem Titel "Arising" in der Ausstellung "Personal Structures" zu sehen.

art: Wie viele Briefe von Frauen haben Sie bis jetzt erhalten?

Yoko Ono: Wir bekamen am ersten Tag gleich 84. Seitdem zähle ich nicht mehr.

Lesen Sie alle?

Nein. Ich habe entschieden, nur zu lesen, wenn ich kann. Es ist so hart, sie zu lesen, weil sie so stark sind. Bis jetzt habe ich jeden zweiten Abend einen Brief gelesen.

Welcher hat sie am meisten erstaunt?

Sie sind alle erstaunlich.

Haben Sie auch Briefe von Männern erhalten?

Bis jetzt nicht.

Warum haben Sie um ein Bild von den Augen der Briefautorinnen gebeten?

Um die Autorinnen zu schützen, wollte ich kein Bild ihres ganzen Gesichts.

Wo wird "Arising" als nächstes ausgestellt?

In einer Galerie aus Osteuropa.

Der Raum für "Arising" im Palazzo Bembo ist sehr klein. Wie würden Sie die Arbeit idealerweise ausstellen?

Es kommt auf den spiritiuellen Raum an. Der kleine physische Raum stört mich nicht.

Würden Sie gerne alle Briefe und Emails gleichzeitig zeigen wollen? Wie groß müsste der Raum sein?

Er muss sehr groß sein.

Einige der Reaktionen zu "Arising" in Venedig waren, dass es eine "old school"-feministische Arbeit seit. Trifft das zu?

Ich weiß nicht, was Sie mit "old school" meinen? Ist ihr Schmerz "old school"?

Warum glauben Sie, dass so eine Art von Kunst im 21. Jahrhunder noch notwendig ist?

Es gibt keine Grenze im Schmerz der Frau.

Was können wir von Ihrem Auftritt beim Kampnagel-Sommerfestival erwarten?

Große Energie und reinen Geist.

Warum wollten Sie mit Thurston Moore zusammenarbeiten?

Weil er ein sehr kreativer Künstler ist und ein Musiker mit viel Energie.

Yoko Ono & Thurston Moore: An Evening of Musical Improvisation and Film

10. August,
Kampnagel – K6,
Hamburg
http://www.kampnagel.de/de/programm/yoko-ono-thurston-moore/

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