Gilt das auch für die Begegnung der Arbeiten von Katharina Bosse und Erasmus Schröter?

Ja. Unsere Gäste Katharina Bosse und Erasmus Schröter kennen und schätzen sich beide. Ich habe die beiden inhaltlich durch ein Thema verbunden: Katharina Bosse hat in den USA junge Leute fotografiert, deren Lebensentwurf es ist, sich als Komparsen jeden Tag in anderen Agenturen vorzustellen. Erasmus Schröter greift das gleiche Thema bei ostdeutschen Frauen und Männern auf, die zum Teil durch Arbeitslosigkeit bedingt, nach neuen Lebensentwürfen suchen, und zum Teil auch Frauen, die einfache Berufe ausüben und mehr vom Leben erwarten und sich deshalb in diese Jobs begeben. Diese Gegenüberstellung von den USA und dem, was hier in unserer unmittelbaren Umgebung passiert, habe ich mit der Begegnung der beiden Künstler zusammengebracht.

Der Ausstellungskatalog des letzten Jahres in der Gestaltung von David Voss wurde mehrfach ausgezeichnet und nun auch noch für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009 nominiert. Was hat den Katalog so erfolgreich gemacht?

Ein gutes Ergebnis resultiert auch oft aus einer sehr guten und engen Zusammenarbeit. Ich habe immer wieder formuliert, dass es mir um die Beziehungen zwischen Bildern geht und dass im Prinzip zwei Künstler nicht einfach nur nebeneinander stehen und sich nichts zu sagen haben, sondern dass wir im besten Falle solche Konzepte entwerfen, bei denen sich so eine Kraft entpuppt, dass eine Spannung entsteht und ein narratives Moment. Im Katalog sind die Künstler dafür auf jeder Doppelseite in Paaren angeordnet: links ein Künstler, rechts ein Künstler. Der Katalog ist die virtuelle Klammer des Festivals. Er verkörpert das, was bleibt von dem Festival, auch wenn dieses Feuerwerk nach vier Tagen vorbei ist.

Sie haben in diesem Jahr einen Sponsor gefunden. Nun ist genau das ja in Leipzig alles andere als einfach. Wie finanziert sich F/Stop?

Es ist nicht einfach, das stimmt. Auch wenn man voll hinter einer Sache steht, ist es sehr schwierig. Bei ungefähr zwei von etwa 100 kann man überhaupt erst einmal Interesse wecken, um Gespräche zu beginnen. Oft ist es auch so, dass gerade im Westen Deutschlands vielen Leipzig ein Begriff, aber sie noch nie hier irgendetwas zu tun hatten, auch große Kamerahersteller nicht. Bei vielen herrscht also Gleichgültigkeit, aber einige lassen sich auch durch ihre Neugier locken.

"F/Stop – 2. Internationales Fotografiefestival"

Termin: 16. bis 20 Juli, Leipzig.

http://www.f-stop-leipzig.de

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1 Leserkommentar vorhanden

Huberto

14:26

15 / 07 / 08 // 

Im Ernst?

Als ob es in Leipzig vor F/Stop keine Fotografie gegeben hätte... Das Konzept von "Closer" entspricht übrigens der natürlichen Wahrnehmungverarbeitung des menschlichen Gehirns. Auch völlig zufällige Arrangements von Symbolen und Bildern werden automatisch in einem Zusammenhang gelesen. Für etwas anderes scheinen die Erzeugnisse moderner Fotografie wohl schon nichtmehr zu gebrauchen sein?

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