Maria Lassnig - Hamburg

Selbstbeobachtung auf Leinwand

Die 93-jährige Künstlerin Maria Lassnig erhielt bei der Biennale 2013 den goldenen Löwen für Ihr Lebenswerk. Die Deichtorhallen Hamburg zeigen dazu passend eine Retrospektive, die schonungslos und vielfältig die Selbstbefragung der Künstlerin zeigt.

Man konnte in Österreich so viel länderunabhängigen Gerechtigkeitssinn gar nicht fassen. Bekam doch erst bei der vorigen Venedig-Biennale der mittlerweile gestorbene Franz West den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.

Und dieses Mal wieder Österreich! Maria Lassnig, die Grande Dame der zeitgenössischen Malerei, lange verdient, lange überfällig. Die 93-jährige Künstlerin, die mit einem Spätwerk aufwartet, das in seiner Schonungslosigkeit den Betrachter immer wieder ergreift, darf in diesen Tagen eine beispiellose Nachfrage erfahren. Nicht, dass sie im vergangenen Jahrzehnt wenig Ausstellungen gehabt hätte, in London, in Köln, in Wien nicht zuletzt.

Aber immer noch gibt es weiße Flecken auf der Lassnig-Karte. Der Norden Deutschlands etwa ist so einer, hier kennt man das Werk der stets unbequemen Kärntnerin eher weniger. Was sich jetzt gründlich ändern wird. Die Hamburger Deichtorhallen übernehmen nicht nur einfach die Ausstellung "Der Ort der Bilder" aus der Neuen Galerie Graz. Deichtorhallen-Intendant und Ausstellungskurator Dirk Luckow ergänzt die feine Schau, die vorwiegend mit Bildern aus Lassnigs Besitz zusammengestellt wurde, noch um etliche schwergewichtige museale Leihgaben unter anderem aus Wien und Graz. Mit letztlich gut 110 Gemälden, Zeichnungen und Trickfilmen kann so die mächtige Nordhalle gut gefüllt werden, und es wird tatsächlich ein solider Überblick von Lassnigs Anfängen in den vierziger Jahren bis zu den jüngsten, verstärkt narrativen Werken gegeben.

Was alle Jahrzehnte aber prägt, ist die von ihr entwickelte Körperbewusstseinsmalerei, ihre ganz spezielle Methode der auf die Leinwand übertragenen Selbstbeobachtung und Selbsterfühlung. Das berührte bei der jungen, das berührt bei der alten Künstlerin. Das wird im Norden genauso berühren wie in New York, im MoMA PS1, wohin die Ausstellung weiterwandern wird. Eine späte Rückkehr Lassnigs an ihren einstigen Zufluchtsort vor Österreichs damaliger Provinzialität. Von 1968 bis 1980 lebte sie im Big Apple, malte sich etwa als weiblicher Gozilla durch die Häuserschluchten. Es war eine ihrer härtesten Zeiten. Bis sie als eine der ersten Malereiprofessorinnen im deutschsprachigen Raum zurückkehrte nach Wien. Und die späte Karriere begann.

Maria Lassnig: Der Ort der Bilder

Die Ausstellung "Maria Lassnig. Der Ort der Bilder" ist vom 21. Juni bis 8. September ín Hamburg in den Deichtorhallen zu sehen.

Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog ist im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen, er kostet 29,90 Euro
http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=342