Paola Pivi - Portikus

Skurrile Projekte, absurde Ideen

Die italienische Künstlerin Paola Pivi verwandelt den Frankfurter Portikus in eine feucht-fröhliche Cocktail-Party
Es spritzt von allen Seiten:Die Cocktail-Party von Paola Pivi

Paola Pivi: "It´s a Cocktail Party", Portikus Frankfurt, 2008.

Bunte Flüssigkeiten in rauen Mengen ist man von Cocktail-Partys ja gewöhnt. Dass man am Eingang gebeten wird, ein Regencape überzuziehen, ist allerdings ungewöhnlich. Ein neuer Dress-Code? Auch Gastgeberin Paola Pivi trägt im Frankfurter Portikus zur Eröffnung ihrer Ausstellung "It’s a Cocktail Party" den eher unflotten Plastiküberwurf überm Kleid, denn es spritzt von allen Seiten.

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Nicht dass hier ungeschickte Barmixer am Werk wären. Statt dessen sausen zum Beispiel 320 Liter rosafarbenes Gesichtstonic aus 5,20 Metern in die Tiefe. An anderer Stelle schießt ein kräftiger Strahl dunkelblauer Tinte in ein Auffangbecken, daneben fließen Milch, Glycerin, Espresso, Waldmeistersirup und Rotwein in sattem Strahl nach unten. Es schäumt und riecht wie im Laboratorium eines exzentrischen Chemieprofessors. Hierzu tost und brummt es in einer Lautstärke, die jedes Partygespräch im Keim erstickte. Insgesamt neun Flüssigkeiten in unterschiedlichen Farben und Konsistenzen zirkulieren im Portikus in geschlossenen Systemen. Pumpen treiben die feuchten Materialien durch dicke Hähne in Bassins. Der Effekt ist jeweils unterschiedlich. So trudelt etwa der Rotwein eher zottelig ins Becken, während Olivenöl in dichter Masse schnurstracks nach unten fließt.

Sie habe einfach mal sehen wollen, wie das aussieht, erzählt Paola Pivi, die mit der gleichen Begründung auch schon mal ein Zebra durch eine verschneite Berglandschaft stapfen und einen Esel perplex in einem Fischerboot herumstehen ließ. Ein anderes Mal ließ Pivi einen Helikopter wie ein hilfloses Insekt auf den Kopf stellen oder einen Leopard durch einen Parcours aus 3000 Cappuccino-Tassen tapsen.

Was der 1971 in Mailand geborenen Künstlerin einfällt, das will sie auch realisieren – und sei es noch so aufwändig und befremdlich. Wie würde es wohl aussehen, wenn man ein Foto der Insel Alcudi in Originalgröße auf PVC-Folie druckte und in der libyschen Wüste auslegte? Paola Pivi hat schon mal damit angefangen. Von ihren komplizierten Aktionen bleibt letztlich nicht mehr als ein Foto, das man theoretisch auch digital hätte herstellen können, aber derartige Manipulationen kommen für Pivi nicht infrage. Die Künstlerin will, dass ihre Projekte verwirklicht werden. Normalerweise kriegt sie das hin.

Auf Benzin, das sie für ihre aktuelle Ausstellung gerne verwendet hätte, musste sie aber doch verzichten. Man hätte dann nämlich mit weit Schlimmerem rechnen müssen, als mit Rotweinflecken auf der Jacke.

"Paola Pivi – It's a cocktail party"

Termin: bis 9. März im Frankfurter Portikus. Katalog: erscheint nach der Ausstellung.
http://www.portikus.de/