Radar - Monika Schnetkamp

Monika Schnetkamp über Martina Sauter

Für unsere Serie "Radar" fragen wir jede Woche Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker nach ihrem aktuellen Lieblingskünstler. Diesmal: Monika Schnetkamp, Unternehmerin, Sammlerin und Leiterin des Düsseldorfer Kunstraums Kai 10.
Radar: Martina Sauter:Monika Schnetkamp über ihre Lieblingskünstlerin

Martina Sauter: "3 Türen", 2005, fotografische Collage auf zwei Bildträgern hinter Diasec, 135 x 129,5 cm, Auflage von 3 + 2

Das Rheinland mit seinen hochkarätigen Museen, der vielfältigen Galerienlandschaft, zahleichen Privatsammlungen und einer hervorragenden logistischen internationalen Anbindung hat immer noch einen hohen Stellenwert. Es stand für mich daher außer Frage, hier im Düsseldorfer Medienhafen den neuen Raum für Kunst – KAI 10 zu eröffnen. Inspirationen bieten mir auch die häufigen Atelier- und Galeriebesuche, die mir einen Überblick und Einblick in die junge Kunstszene ermöglichen.

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Strecken Teaser

Im März dieses Jahres sah ich zum Beispiel Martina Sauters Ausstellung bei Marion Scharmann, der Kölner Galerie der Künstlerin. Schon bei Rundgängen in der Düsseldorfer Akademie waren mir die Arbeiten der jungen Künstlerin aufgefallen, und ich war begeistert, sie wieder zu entdecken.

Die Düsseldorfer Künstlerin (geboren 1974 in Konstanz) verbindet in ihren Arbeiten jeweils ein Still eines Filmklassikers mit einer neu inszenierten Fotografie und lässt dadurch geheimnisvolle neue Räume entstehen. Die Arbeiten sind derart gespickt mit Suspense, dass ich förmlich ins Bild gezogen werde und mir gleichzeitig ein Schauder über den Rücken läuft. Zuweilen begegnet man auch alten Bekannten der Traumfabrik in Hollywood wie Grace Kelley oder James Stewart, meist spürt man die Anwesenheit der Figuren jedoch durch ihre Abwesenheit, durch die Spuren, die sie hinterlassen. Wie ein Detektiv kann man sich dann auf Spurensuche begeben und sich in vielen schauerlich-spannenden Geschichten verlieren.

Raffinierte Verflechtung von Fiktion und Realität

Martina Sauters spannungsvolle Arbeiten ziehen mich stets in ihren Bann, und überzeugen mich auf unterschiedlichen Ebenen: Durch die Geschichten, die sie erzählen, durch die wundervolle Bildkomposition, die unsere Vorstellung von Raum ins Wanken bringt und teilweise auch fast ins Abstrakte abgleitet, durch die Verknüpfung der Zeiten, aber auch durch die raffinierte Verflechtung von Fiktion und Realität.

Der filmische Teil der Collagen erscheint in verschwommener Bildqualität, während der neu inszenierte Teil sowohl durch seine Schärfe besticht als auch durch die Freude an scheinbar belanglosen Bilddetails wie Kratzern in einer Tür oder Schmutzflecken auf einer Tapete. Formal geht die Künstlerin dabei ganz neue Wege, denn die beiden kombinierten Bildteile werden auf versetzten Aluminiumplatten aufgezogen, so dass ein kleiner Abstand entsteht. Auf diese Weise verwandeln sich die Fotografien in dreidimensionale Objekte, welche in den Raum des Betrachters hineinwirken.

Die Düsseldorfer Künstlerin schreibt mit ihren Arbeiten neue Fotogeschichte.