Royal Academy - London

Schillernder Impresario

Sir Norman Rosenthal - der erst in diesem Sommer von der Queen in den Adelsstand erhoben wurde - feiert sein 30-jähriges Jubiläum als Ausstellungsdirektor der Londoner Royal Academy
Leben für die Kunst:Sir Norman Rosenthal feiert Jubiläum

Sir Norman Rosenthal, 63, Ausstellungsdirektor der Londoner Royal Academy

Sir Norman Rosenthal als eine der schillerndsten Figuren der britischen Kulturszene zu bezeichnen, ist fast eine Untertreibung. Der umstrittene Kunstimpresario, der dieser Tage sein 30-jähriges Jubiläum als Ausstellungsdirektor der Royal Academy feiert, spuckte einmal bei einer Vernissage in seinem illustren Institut einen Kritiker an, weil dieser ihn, wie er glaubte, zutiefst beleidigt hatte. Und an einer Wand im Londoner Institute of Contemporary Art ICA, wo er Mitte der siebziger Jahre Ausstellungen organisierte, klebt noch immer sein Blut, nachdem ihm ein Faustschlag versetzt wurde, "weil mich der Schläger als Snob verdächtigte". Und dann ist da die Alternative Miss World, an der er teilnahm, als er fast 60 war, in einem von der Videokünstlerin Sam Taylor-Wood entworfenen Kostüm - als Wassermolch. Die Regenbogenpresse hatte großen Spaß mit den Fotos.

Nichts packt Rosenthal halbherzig an, er wirft sich immer voll in die neue Aufgabe hinein. In seinen Jahren als Ausstellungsdirektor machte er aus der traditionsreichen, aber verstaubten Royal Academy ein Institut von Weltklasse, dessen Ausstellungen sich mit denen der wichtigsten Museen der Welt messen können. Und das alles ohne öffentliche Subventionen - er muss alles mit privaten Spenden finanzieren. Außerdem hat die Academy keine eigene Sammlung, die er bei Verhandlungen über Leihgaben ins Feld führen könnte. Doch Museumsdirektoren auf der ganzen Welt sind gerne bereit, seine Bitten um Leihgaben zu erfüllen - er genießt überall großes Ansehen.

Seine wohl bedeutendste Schau war "Sensation", mit der er 1997 die Young British Artists einem erstaunten Publikum vorstellte. Damien Hirsts eingelegter Hai, die grotesk verunstalteten Schaufensterpuppen der Brüder Chapman, das aus Abdrücken von Kinderhänden zusammengebaute Porträt der Kindsmörderin Myra Hindley und die kruden, aber witzigen sexuellen Anspielungen von Sarah Lucas begeisterten und stießen ab. Vor allem die konservative Presse, die Rosenthals Kopf forderte.

Mit Deutschland hat Rosenthal enge Verbindungen. Seine Eltern flohen vor den Nazis nach England, als Kurator knüpfte er Verbindungen zu deutschen Institutionen und Kollegen. Etwa zu dem Berliner Kurator Christos Joachimides, mit dem er eine der einflussreichsten Ausstellungen der frühen achtziger Jahre konzipierte: "A New Spirit of Painting" (1981), das unter anderem die Neuen Wilden in England vorstellte. Gerade hat er eine umfassende Retrospektive von Georg Baselitz eröffnet, mit dem er seit langem eng befreundet ist. Im Sommer erhob ihn die Queen in den Adelsstand, für seine Verdienste für die Kunst. "Ich kenne niemanden, der sich über diese Ehre mehr gefreut hat", sagt Tate-Direktor Nicholas Serota. "Und ich glaube nicht, dass er jemals in den Ruhestand treten wird."