100 Jahre Futurismus - Ausstellungen

Die Schönheit der Geschwindigkeit

In gleich drei italienischen Städten wird der 100. Jahrestag des Futuristischen Manifests gefeiert. Rovereto, Venedig und Mailand zeigen die Schätze des Futurismus.

Filippo Tommaso Marinetti, Initiator des italienischen Futurismus, hatte damit gerechnet, dass die nachfolgende Generation ihn und die Seinen fort­fegen würde, erbarmungslos gegen­über der Vergangenheit wie er selbst. Museen und Archive, diese verhassten Institutionen, bestehen jedoch gegen den Willen Marinettis immer noch und hüten die Schätze des Futurismus, die jetzt, 100 Jahre nach Erscheinen des Futuristischen Manifests, wieder gehoben und in einer Serie von Ausstellungen ans Licht geholt werden.

In seinem futuristischen Manifest, das Marinetti 1909 in der Pariser Ta­geszeitung "Le Figaro" veröffentlichte, war unter anderem die "Schönheit der Geschwindigkeit" und die "angriffslustige Be­wegung, die fiebrige Schlaflosigkeit" gefeiert worden, außerdem forderte es, "die Museen, die Bibliotheken und die Aka­demien jeder Art" zu zerstören. Die italienische Futurismus-Expertin Ester Coen, die eine Ausstellungstrilogie zusam­mengestellt hat, belegt in einem ersten Teil mit 130 Werken und einer großen Zahl von Dokumenten im Mart, dem Museum für moderne Kunst in Rovereto, wie eng und künstlerisch fruchtbar die Beziehungen der Avantgardekünstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren.

Zwischen Berlin, Paris, Moskau und Rom zir­kulierten die neuen Ideen genauso schnell, wie im heutigen Informationszeitalter. Ma­rinetti war in Russland schon berühmt, bevor er 1914 seine Reise nach Moskau antrat. Ester Coen hat zwei Beschreibun­gen seines Auftritts aus dem Dunkel der Archive geholt, eine ironisch gefärbte des russischen Dichters und Augenzeugen Benedikt Livšic und eine von Marinetti, der sich selbst gratulierte, weil er "Russland vollkommen erobert" habe. Überall in Europa nahmen Künstler die Anregun­gen des dynamikbetonten italienischen Futurismus auf. Werke von Heinrich Cam­pendonk, Lyonel Feininger, Michail Larionow und Umberto Boccioni imponieren durch ihre Kühnheit noch heute.

Auch eine Reihe experimentierfreudiger Russinnen, "Ama­zonen der Avantgarde", wie sie Livšic nannte, sind in Rovereto vertreten, unter anderem Alexandra Exter, Natalja Gontscharowa und Olga Rosanowa.
Gleichzeitig wird in Rovereto das "Haus des Futurismus" eröffnet, das ehemalige, zum Museum umgebaute Atelierhaus des Futuristen Fortunato Depero.

Ausstellungen

Rovereto: "Illuminationen", 17. Januar bis 7. Juni 2009. Venedig, Museo Correr: "Abstraktionen", 5. Juni bis 4. Oktober 2009. Mailand, Palazzo Reale: "Gleichzeitigkeit", 15. Oktober 2009 bis 25. Januar 2010. Kataloge: Verlag Electra, drei Bände je 42 Euro. Wanderausstellung: Paris, Centre Pompidou: "Der Futurismus in Paris – eine explosive Avantgarde", bis 26. Januar 2009. Rom, Scuderie del Quirinale: "Futurismus", 20. Februar bis 24. Mai 2009. London, Tate Modern: "Futurism", 12. Juni bis 20. September 2009. Weitere Ausstellungen: Mailand, Palazzo Reale: "Futurismus 1909–2009: Geschwindigkeit + Kunst + Aktion", 28. Januar bis 7. Juni 2009. London, Estorick Collection: "Futurism 100!", 14. Januar bis 19. April 2009. Venedig, Museo Correr: "Depero – Werke aus der Sammlung Fedrizzi", bis 1. März 2009.
http://www.mart.trento.it/