Museum für moderne Kunst - Doha

Aus arabischer Perspektive

Am persischen Golf hat im Emirat Katar das erste arabische Museum für moderne Kunst eröffnet
Premiere:Erstes arabische Museum für moderne Kunst eröffnet

Das Werk "Al-Safina" (Das Schiff) von Adam Henein befindet sich vor dem Arabischen Museum für Moderne Kunst in Doha

Scheich Hassan bin Mohammed bin Ali Al Thani ist zufrieden. Seit Mitte der achtziger Jahre sammelt der Großcousin des regierenden Emirs von Katar Kunst aus dem arabischen Raum. Über 6000 Werke sind in der Zeit zusammengekommen. Die älteste stammt von 1847, die neuesten aus den letzten Jahren. Jetzt konnte der Sammler, mit Unterstützung der Gattin des Herrschers, ein eigenes Museum eröffnen. Das Mathaf – das arabische Wort bedeutet "Museum" – ist in einer ehemaligen Schule in der Hauptstadt Doha untergebracht. Der französische Architekt Jean-François Bodin hat das traditionelle Gebäude unprätentiös umgebaut. Auf zwei Geschossen stehen Ausstellungsräume von insgesamt 5000 Quadratmetern zur Verfügung. Die meisten haben fast private Proportionen. Die künstliche Belichtung hilft, bei Außentemperaturen von über 40 Grad im Sommer Energie zu sparen.

Die Auswahl von rund 300 Werken, die zur Eröffnung in der Ausstellung "Sajjil" ("Fortschreibung") gezeigt wird, ist vor allem eine Hommage an den Sammler und an das Herrscherhaus. Die didaktische Hängung nach Themen wie Stadt, Natur und Porträt soll dem Publikum den Zugang leicht machen. Zugleich wird aber auch der grundlegende Anspruch deutlich, den der Sammler und sein Kuratorenteam mit ihrer Arbeit erheben: "Es geht uns um eine arabische Perspektive", sagt Nada Shabout, die die Ausstellung mitorganisiert hat. Für Europäer ist die Moderne eine Bewegung, die auf permanente Erneuerung zielte und das Hergebrachte zu zerstören suchte. Für die arabischen Künstler war Geschichte dagegen positiv besetzt. Sie suchten nach Möglichkeiten, Traditionen wiederzuentdecken, die während der Kolonialisierung ihrer Länder verloren gegangen waren. Viele von ihnen gingen nach Europa. Sie malten Straßen in Paris und Berge in der Schweiz – Bilder, die in ihrer Heimat wie Expeditionen in eine unbekannte Welt wirken. Andere Künstler blieben thematisch zwar dem arabischen Alltag verhaftet, doch war ihr Blick ein europäischer geworden.

Zwei weitere Ausstellungen, die das Mathaf in einer zusätzlichen, temporär errichteten Halle von 5000 Quadratmetern auf dem Gelände des Museums für islamische Kunst präsentiert, ist der der jungen Szene der Region gewidmet. Hier zeigen Künstlerinnen und Künstler wie Dia Azzawi, Kader Attia und Ghada Amer, dass sie alle medialen und inszenatorischen Möglichkeiten des internationalen Diskurses kennen und für eigene Anliegen zu nutzen wissen. Der Verlust der eigenen Geschichte, Migration, Fremde, Verfolgung und Sehnsucht nach Heimkehr sind die zentralen Themen ihrer Arbeiten.

Mehr zu bieten als Erdgas

Das Mathaf versteht sich als enzyklopädisches Zentrum und erste Anlaufstelle für die Erforschung von Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem arabischen Raum. Dass es mit einem Provisorium eröffnet wurde und die Regierung nicht auf den Neubau warten wollte, dessen Architekten im Laufe des Jahres bekannt gegeben werden sollen, hat wohl mit diesem Anspruch zu tun. Denn inzwischen hat auch der Kunstmarkt den arabischen Raum im Visier. Und die Museen werden aktiv. Die Tate Gallery in London hat begonnen, eine Sammlung zur Kunst dieser Region aufzubauen, das Guggenheim Museum hat für seine künftige Filiale in Abu Dhabi Kuratoren speziell für diese Aufgabe ernannt. Da wollte sich das kleine, erst seit 1971 unabhängigen Katar nicht die Schau stehlen lassen. Schließlich wurde hier schon vor über 20 Jahren eine eigene Sammlung aufgebaut, die der Bevölkerung vermitteln soll, dass sie nicht nur auf sehr viel Erdgas sitzt, sondern eine große Geschichte in sich trägt und Werte besitzt, auf die sie stolz sein kann.

Mathaf – Arabisches Museum für moderne Kunst

Öffnungszeiten: Sonntag bis Samstag 11 Uhr bis 18 Uhr / Montag geschlossen / Freitag 15 Uhr bis 21 Uhr


http://www.mathaf.org.qa/

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