Realismus aus Leipzig - Drents Museum

Keine homogene Gruppe

Das Drents Museum im niederländischen Assen zeigt Arbeiten von Absolventen und Professoren der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig – drei Generationen der so genannten Leipziger Schule.

Die Stars der neuen Leipziger Schule sind derzeit angesagt. Die Bilder von Neo Rauch, Matthias Weischer und Co. erzielen Rekordpreise, Supersammler Charles Saatchi hat sich mit ihren Werken eingedeckt, Rauch wurde durch eine Einzelausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art geadelt. Darüber aber wird leicht vergessen, dass diese Künstler streng genommen der dritten Generation erfolgreicher Leipziger Maler angehören – eine Tatsache, die das Drents Museum im Assen im Nordosten der Niederlande zum Thema einer Ausstellung macht.

"Die geografische Lage hatte nach dem Zweiten Weltkrieg große Folgen für das Kulturleben der Stadt, denn durch den Eisernen Vorhang war Leipzig für fast 40 Jahre vom Westen abgeschnitten – und damit auch von den Einflüssen und den neuen Strömungen der internationalen Kunstszene." So erklären die Ausstellungsmacher ihren Landsleuten die Situation. "Dadurch war die Kunst in Leipzig weiterhin stark gegenständlich geprägt, und es wurde großer Wert auf die traditionellen technischen Aspekte der Malerei gelegt."

Im Zentrum steht, natürlich, die Hochschule für Grafik und Buchkunst, an der die Künstler der ersten Generation "im Geiste des alten sozialistischen Regimes ausgebildet wurden". In Assen stehen für diese Generation vor allem Werner Tübke mit seinen altmeisterlichen Arbeiten – unter anderem ein Mädchenporträt von 1975 oder ein kerniger "Hirte aus Militello" von 1974 –, Wolfgang Mattheuer etwa mit einer surreal anmutenden Szene ("Das graue Fenster", 1969) oder Bernhard Heisig mit seinen expressiv hingehauenen Gemälden.

"Inhaltlich, stilistisch und qualitativ unterschiedlich"

Diese Maler waren dann Professoren an der Hochschule und bildeten die zweite Generation von Künstlern aus – in Assen sind es Ulrich Huchalla mit seinen hyperrealistischen und zugleich surreal wirkenden Bildern oder Arno Rink, der unter anderem mit einem beinahe klassisch anmutenden Rückenakt vertreten ist. Auch sie lehrten später an der Hochschule für Grafik und Buchkunst – die von ihnen ausgebildete dritte Generation "stellt keine homogene Gruppe dar – dazu sind die Werke inhaltlich, stilistisch und qualitativ zu unterschiedlich", so die niederländischen Ausstellungsmacher. Was aber im Prinzip auf die beiden vorhergegangenen Künstlergenerationen gleichermaßen zutrifft.

Immerhin lassen sich in der dritten Generation gemeinsame Nenner finden: Da ist zum einen eine klare, gegenständliche Malerei mit oft surrealem Einschlag wie etwa "Kaminzimmer" von Falk Gernegroß, "Klumpen" von Matthias Ludwig oder "Problem" von Christian Brandl. Auch das Thema Interieur scheint bei den jüngsten Leipzigern angesagt zu sein – etwa "Atelieransicht" von Johannes Rochhausen oder "Pose" von Jan Dörre. Alle Maler, so resümieren die Assener Museumsleute, seien "von der traditionellen Ausbildung der Hochschule geprägt, die sie zu großem und virtuosem handwerklichen Können befähigt".

"Realismus aus Leipzig"

Termin: 25. Januar bis 10. Mai 2009, Drents Museum, Assen, Niederlande
http://www.drentsmuseum.nl/

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