Armory Show - New York

Immer schön laufen und trinken

Zur 12. Ausgabe der Armory Show treten diese Woche 289 Galerien in New York an: Die Stimmung ist gut, die Besucherzahlen sind hoch und im Gegensatz zum letzten Jahr laufen die Geschäfte wieder.

Was war nicht alles vorausgesagt worden: Die Wirtschaftskrise würde dafür sorgen, dass es in Zukunft weniger Messen geben wird, hieß es. Doch die gesunkenen Immobilienpreise, die günstigeren Mieten in New York und die Tatsache, dass die Messebetreiber bessere Deals anbieten konnten, bewirkten genau das Gegenteil. Diese Woche präsentieren sich 480 Galerien auf insgesamt elf Nebenmessen in New York.

Bei der Mutter aller Veranstaltungen, der 12. Ausgabe der Armory Show, traten 289 Galerien an. Darunter eine Delegation aus Berlin, der auf Pier 94 eine eigene, kleine Sektion gewidmet wurde.

Die Armory war bereits am Eröffnungstag extrem gut besucht. Unter die Sammler mischten sich Prominente wie REM-Frontmann Michael Stipe, unübersehbar mit knallblauer Wollmütze, Regisseurin Sofia Coppola oder Schriftsteller James Frey. Und es wurde nicht nur geguckt, sondern auch gekauft. Wenn sich auch die Sammler ihre Einkäufe genauer überlegten als in den Boomjahren. Die Zeit der langen Gesichter sei vorbei, man würde wieder zufrieden grinsende Galeristen sehen, meinte ein Berliner Kunsthändler. "Wunderbare Stimmung", bestätigte Judy Lybke von Eigen+Art. "Kein Vergleich zum letzten Jahr, als die Leute nicht einmal nach Preisen fragten und mit dem Kommentar 'zu teuer' wieder abdrehten." Seine Galerie hatte die 13 mit Preisen von bis zu 135. 000 Dollar angesetzten Arbeiten von David Schnell am zweiten Tag so gut wie verkauft.

Einzelpräsentationen als Wohltat bei all dem Kunst-Rummel

Weil einige Kunsthändler aus Kostengründen auf kleinere Kojen umgestiegen waren, wirkte die Messe noch voller und gedrängter als in den Vorjahren. Einzelpräsentationen wie die von Tony Feher bei Pace Wildenstein, die von Sean Landers, der erst vor kurzem von Andrea Rosen zu Friedrich Petzel gewechselt ist, oder die des Briten Adam McEwen bei Nicole Klagsbrun waren eine Wohltat bei all dem Kunst-Rummel. Klagsbrun hatte McEwen mit zitronengelbem Teppich den passenden Rahmen für ein schreiend gelbes Hakenkreuz oder die in Gelb gedruckten deutschen Anti-Atomkraft-Symbole (für 30. 000 Dollar) gewidmet. Als am späteren Nachmittag die Champagnerflaschen geöffnet wurden, schickte eine New Yorker Galeristin ihre sichtlich gestressten Besucher mit zur Stärkung gefüllten Gläsern weiter. "Einfach immer schön weiterlaufen und trinken!" rief sie ihnen hinterher. Die Michael Stevenson Gallery aus Kapstadt erfreute sich mit ihrem kostenlosen Maniküre-Service, mit dem der westafrikanische Künstler Meschac Gaba der Frage nachging, wann Kunst farblich beginnt und aufhört, wachsender Beliebtheit.

David Zwirner überraschte mit einem sparsamen Auftritt. Neben den Arbeiten von Philip-Lorca diCorcia für Preise von rund 30. 000 Dollar reihten sich Polaroids aus dem Archiv des Fotografen an den Wänden des Messestands aneinander. Der Preis für die Schnappschüsse: 4000 Dollar. Sie verkauften sich blendend. Bei der New Yorker Galerie Paul Kasmin gingen bereits in den ersten Stunden drei Arbeiten von James Nares zu Preisen von 85. 000 Dollar weg, so Nicholas Olney. Ebenso schnell verkauften die New Yorker Kollegen bei Sean Kelly Fotografien von Marina Abramovic, die mit ihrer Ausstellung im Museum of Modern Art in aller Munde ist. Die Düsseldorfer Sies + Höke brachten Steinbrocken des Belgiers Kris Martin aus der Serie "Summit" mit, die im Anschluss an eine Ausstellung in Aspen eingeflogen worden waren – allerdings hatten die Arbeiten bereits vor der Messe ihre Käufer gefunden.

"Wenn alles vorbei ist, mache ich mit meinem gesammelten Team ein paar Tage Urlaub."

Die rührige New Yorker Galeristin Elizabeth Dee widmete ihren Stand einer Installation von Josephine Meckseper, die wie manch anderer Künstler gerade auf der Biennale im Whitney Museum vertreten ist. Nebenbei hatte Dee die von allen Seiten als bester Messeauftritt gefeierte Alternativ-Veranstaltung "Independent" organisiert. Eine Mischung aus kollektiver Ausstellung und Verkaufsshow auf drei Stockwerken im früheren Gebäude der Dia Foundation in Chelsea. Die 40 Teilnehmer, darunter der Berliner Johann König im Team mit Andrew Kreps, konnten sich hier kreativ ausbreiten, anstatt ihre Kunst in langweilige Messe-Boxen mit grauem Teppichboden zu hängen. Es sei eine Initiative, um ein Gegengewicht zum intellektuell bankrotten Chelsea zu finden, so Dee. "Wenn alles vorbei ist, mache ich mit meinem gesammelten Team ein paar Tage Urlaub."

Zwar waren von manchem regulären Berliner Armory-Teilnehmer abfällige Bemerkungen wie "Bahnhof Zoo" zu hören. Doch die meisten Berliner Galerien, die bei vom Messeveranstalter subventionierten Standpreisen von rund 8000 Dollar, inklusive Frachtkosten, zur Armory Focus eingeladen worden waren, zeigten sich zufrieden. Ob Berlin weiterhin hip ist, sei fraglich, meinte Galerist Aurel Scheibler. Doch den gemeinsamen Auftritt hielt er für gelungen. "Es gibt einige starke Positionen, und die Messe wird angenehm durchbrochen." Dafür sorgten auch die jungen Neuzugänge aus New Yorks Lower East Side, die wie Eleven Rivington mit kleinen Ständen vertreten waren. Die Galerie von der Rivington Street hatte am ersten Tag so gut wie alles verkauft, darunter ein Kissen-Arrangement aus Marmor von Valeska Soares für 90. 000 Dollar.

Insgesamt 11 Nebenmessen in New York: "Die Zeiten sehen wieder rosiger aus"

Nebenschauplätze wie die Volta-Messe auf der 34th Street waren nicht schlecht besucht. Christa Schübbe aus Düsseldorf hatte den in Belgien lebenden, deutschen Künstler Franz Burkhardt mit seinen erotischen Zeichnungen von Nachkriegs-Fräulein mitgebracht, die er auf Pappwände pinnte oder als Wandtapete (4500 Dollar) lieferte. Das Interesse der Sammler war groß. Bei der Scope-Messe am Lincoln Center wurde erstaunlich viel dekorativer Kitsch präsentiert. Der hochhackige Damenschuh oder Diamantenring in Form von in Metall gegossenen Miniatur von dem chinesischen Künstler Liao Yibai bei der Galerie Mike Weiss fand bei einem Preis von immerhin 50. 000 Dollar schnell Käufer – die Arbeiten sind als Anspielungen auf Kopien von Luxusgütern made in China gedacht. Für Messe-Neuzugänge wie Peter Wilde von der Berliner Wilde Gallery, der unter anderem Arbeiten des Street Artist Evol dabei hatte, lohnte sich die New-York-Investition. "Berlin ist nun mal nach wie vor kreativ und sexy, aber arm", so Wilde. "Also gehen wir dahin, wo die Sammler sitzen."

Auch wenn gute Geschäfte in der Luft lagen: Der Kommentar des New Yorker Künstlers Reed Seifer zur Armory Show war ein Duft mit dem Namen "Forget", um frustrierten Ausstellern oder abgekämpften Besuchern den Kopf frei zu machen. "Ich will nicht vergessen, sondern mehr erinnern", entgegnete ein Sammler. "Schließlich sehen die Zeiten wieder rosiger aus."

The Armory Show

Termin: bis 7. März 2010, New York
http://www.thearmoryshow.com/cgi-local/content.cgi