Honoré Daumier - Köln / Schleswig

Spitze, rotznasige Gesellschaftskritik

Unter dem Titel "Provocation et Finesse" werden im Schloss Gottorf in Schleswig und im Käthe-Kollwitz-Museum in Köln 100 Karikaturen und Skulpturen des Franzosen gezeigt.
Spitze, rotznasige Gesellschaftskritik:Karikaturen von Honoré Daumier

"Robert Macaire vor seinen Richtern", Lithografie, 28. 2. 1837

Als Hinterbänkler würde man Jean-Marie Harlé heute wohl bezeichnen – auf jeden Fall war der "Harlé père" genannte Lokalparlamentarier von 1816 bis zu seinem Tod 1838 in Calais im Amt. Die einzigen Eigenschaften, die ihm der Künstler und Karikaturist Honoré Daumier (1808 bis 1879) zubilligte, war: "eines der bemerkenswertesten Fossile" sowie "gichtig, dahinsiechend, asthmatisch, rheumatisch, rotznäsig" zu sein.

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Die Porträtbüste, die Daumier 1832/33 von "Harlé père" fertigte, ist denn auch alles andere als schmeichelhaft: Die Büste ist der eindrucksvolle Beweis dafür, dass es für die Karikatur nicht unbedingt nur die spitze Feder braucht.

Dass Daumier aber auch mit dem Zeichenstift meisterlich umzugehen verstand, belegt eine Ausstellung, die noch im Schloss Gottorf in Schleswig und dann im Kölner Käthe-Kollwitz-Museum zu sehen ist. 4000 Blätter hat Daumier zeitlebens gefertigt, die in Tages- und Wochenzeitschriften verbreitet wurden – bissige, ironische, stets pointierte Kommentare zu Gesellschaft und Politik. In der Ausstellung werden 100 seiner besten Grafiken und Skulpturen gezeigt. Sie gliedert sich in drei Teile: frühe philosophische Blätter, gesellschaftskritische Darstellungen und späte politische Arbeiten.

Die Leihgaben stammen aus drei rheinischen Privatsammlungen. Die Qualität der Papiere aus den Publikationen wie "Le Charivari" war in der Regel schlecht. Die drei Sammler haben dagegen hervorragende Drucke auf kostbarem China-Papier zusammengetragen.

"Honoré Daumier: Provocation et Finesse"

Termine: Schloss Gottorf in Schleswig, bis 4. Januar; Käthe-Kollwitz-Museum in Köln, 22. Januar bis 5. April 2009. Katalog: Braus Verlag, 9,80 Euro.
http://www.kollwitz.de

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