Masterpieces of Chinese Painting - London

Buddha im Handgepäck

Das Victoria & Albert Museum zeigt unter dem Titel "Masterpieces of Chinese Painting" über 70 Leihgaben aus bedeutenden Museen – Rollbilder in delikaten Erdtönen

Wer im alten China den Buddha, dessen Inkarnationen oder die gottähnlichen Wesen des Buddhismus nicht nur im Herzen, sondern als realistisches Bild mit sich tragen wollte, der konnte leicht transportable Rollbilder im Reisegepäck mitführen.

Und nicht nur das: Wer etwa einem Kloster ein Rollbild von Buddha oder dem Erleuchtungswesen Boddisattva spendete, konnte für sich, seine Familie und seine Vorfahren Meriten anhäufen. Diese leichten, auf Seide oder Hanf gemalten Bildnisse gehen auf die oft mehrere Quadratmeter messenden Banner zurück, die bei religiösen Zeremonien in Klöstern vor den Gläubigen von der Tempeldecke oder im Freien von hölzernen Gestellen entrollt wurden.

Über 70 dieser Bilder, die weltweit zum bedeutendsten künstlerischen Erbe gehören, sind nun im Londoner Victoria & Albert Museum versammelt. Die entstanden in der Zeit zwischen 700 bis 1900 und kamen als Leihgaben aus bedeutenden Museen nach London, darunter das Palastmuseum, Peking, das British Museum, London, das Nationalmuseum von Taipeh, das Museum of Fine Arts, Boston, die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums, Wien, das Musée Guimet, Paris, und das Tokio-Nationalmuseum.

Sanfte, delikate, erdige Farben dominieren, sparsam mit Details in orangefarbenen oder leichten Blautönen geschönt. Bilder wie eine Landschaft von Qiu Ying (um 1494 bis 1552), eine Sinfonie aus Türkis und leuchtendem Blau, sind eher die Ausnahme. Die Maße der Arbeiten reichen von Miniaturen bis zu 14 Meter langen Rollbildern.

Am Beginn der Ausstellung stehen Andachtsbilder aus der Zeit von 700 bis 950 – nicht alle sind Buddha geweiht, andere, wie die des Malers Zhang Sengyou, sind astrologischen Gottheiten gewidmet.
Ab 950 entdeckten die Künstler die Realität für sich: Präzise und realistisch malten sie Gebirge, Flusslandschaften, Pflanzen und Tiere, Fischer bei ihrer Arbeit und Reisende, den Ablauf der Jahreszeiten und die Veränderungen des natürlichen Lichts. Die letzte Abteilung der Schau heißt "Looking to the West" und zeigt, wie im 18. Und 19. Jahrhundert europäische Errungenschaften, etwa die Linearperspektive oder die Helldunkel-Malerei, zunehmend auch in die chinesische Kunst einflossen.

Masterpieces of Chinese Painting

bis 19. Januar 2014. Katalog: 40 Pfund
http://www.vam.ac.uk

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