Neuer Rembrandt - Rotterdam

Glücksfall für Rotterdam

Rembrandt-Experte Ernst van de Wetering schreibt das Bild "Tobias und seine Frau" aus dem Museum Boijmans van Beuningen, bislang als Schülerarbeit betrachtet, dem Meister Rembrandt Harmenszoon van Rijn zu
Zugeschrieben:Schülerarbeit ist ein Werk aus der Hand von Rembrandt

Als Original von Rembrandts Hand eingestuft: "Tobias und seine Frau" (1659, 40 x 54 cm)

Jeder Museumsdirektor, der ein Gemälde von Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606 bis 1669) besitzt, bekommt bei der Erwähnung des Rembrandt Research Project ein sehr ungutes Gefühl. Denn das 1968 gegründete Forscherteam hat im Laufe der Jahre das Werk des Niederländers von rund 700 auf etwa 350 Arbeiten reduziert, so manches Rembrandt-Gemälde stammte auf einmal nur noch aus seinem Umkreis oder von einem Schüler. Selbst der berühmte "Mann mit dem Goldhelm", einst stolzes Aushängeschild der Berliner Gemäldegalerie, fristet jetzt als Arbeit aus dem Umfeld Rembrandts in einem Seitenkabinett ein trauriges Dasein. Umso sensationeller die Meldung, die jetzt aus Rotterdam kam: Im Museum Boijmans van Beuningen wurde ein Bild, das "Tobias und seine Frau" zeigt und bislang als Schülerarbeit galt, dem Meister selbst zugeschrieben. Von Freitag, 8. Oktober an wird es für einen Monat ausgestellt.

Ausgerechnet der als "Abschreiber" gefürchtete Rembrandt-Experte Ernst van de Wetering hat in der fünften Ausgabe seines Catalogue raisonné das Ergebnis seiner Forschung dargelegt – die Urheberschaft sei "unzweifelhaft". Er führt unter anderem an, dass "das spezielle Gefühl für das Detail Rembrandts Werk der 1640er Jahre" entspreche. Auch die "Repräsentation und Platzierung der Figuren, die Behandlung der Perspektive in dem Werk und die Treppenstufe im Vordergrund" seien Beweise für Rembrandts Urheberschaft.

Rembrandt hat das Bild, das in dunklen Brauntönen einen Mann und eine Frau am brennenden Kaminfeuer zeigt, über ein älteres Stillleben eines unbekannten Künstlers gemalt. An manchen Stellen ist die Farbschicht so dünn, dass dieses Stillleben sichtbar ist. Eigentlich sollte das Bild für eine Ausleihe nach Japan restauriert werden. Als die Botschaft ankam, die das Haus "mit freudiger Überraschung" vernahm, wurden die Restaurierungsarbeiten erst einmal verschoben, damit das Bild, das sonst im Depot ruht, der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.