Zurück zur Klassik - Frankfurt

Neuer Blick auf die griechische Antike

Das Liebieghaus vermittelt einen Zugang zur Kunst- und Kulturgeschichte der griechischen Klassik im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus.

Die beiden antiken Prachtkerle liegen wie tote Maikäfer auf dem Rücken, umgeben von technischem Gerät, in einem gläsernen Labor des Museo Archeologico Nazionale di Reggio Calabria.

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Die zwei Bronzekrieger von Riace, so benannt nach ihrem Fundort vor der kalabrischen Küste, wo sie 1972 von einem Hobbytaucher entdeckt wurden, sind rare Musterbeispiele für die Genialität griechischer Bildhauer des Altertums. Folgerichtig ist einem von ihnen ein Platz in einer Ausstellung des Frankfurter Liebieghauses eingeräumt, die einen unter dem Titel "Zurück zur Klassik" einen "neuen Blick auf das alte Griechenland" werfen will.

Während sich die italienischen Archäologen weiterhin um das Innenleben der Kämpfer kümmern, ist der Kopf des Kriegers A in Frankfurt als authentische Rekonstruktion zu bewundern – die entstand auf der Basis eines digitalen Feinscans und lässt Genialität die Ausstrahlung des Originals erahnen. Gleichzeitig werden auch Verarbeitung und Eigenheiten des Materials thematisiert. So sieht der Ausstellungsbesucher nicht das Erscheinungsbild, das Bronze im Laufe der Jahrhunderte annimmt – nämlich mit Grünspan bedeckt –, sondern kann sie in ihrer satten metallisch-braunen Farbe erleben.

Die von Vinzenz Brinkmann und Salvatore Mancuso (Liebieghaus) erarbeitete Ausstellung soll dem Besucher "einen neuen Zugang zur Kunst- und Kulturgeschichte der griechischen Klassik im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus" ermöglichen, den "ungeheuren ästhetischen und intellektuellen Innovationsschub" der Zeit vor Augen führen. Da ein großer Teil dieser antiken Plastiken durch natürlichen Verfall oder mutwillige Zerstörung unwiederbringlich verloren sind "verstellen römische Kopien und die wiederholte klassizistische Rezeption oftmals den Blick auf das Erhaltene", so die Organisatoren der Ausstellung.

Jetzt können originale Meisterwerke griechischer Bronzeplastik und Malerei ihre einzigartige, grandiose Wirkung entfalten. Zum Beispiel der "Kopf des Philosophen", ein spektakulärer Fund aus Porticello, die Statue eines Faustkämpfers aus dem Quirinale in Rom, das "Kapitolinische Pferd" aus den Musei Capitolini in Rom, oder der Kopf eines Nordafrikaners aus dem British Museum in London. Wie spätere Künstlergenerationen das griechische Erbe adaptierten, zeigen in der Schau neben hellenistischen und römischen Kopien etwa der "Apoll vom Belvedere" von Pier Jacopo Alari Bonacolsi, genannt Antico (um 1460 bis 1528), oder die "Statue eines Zehnkämpfers" (1936) von Richard Scheibe (1879 bis 1964).

Zurück zur Klassik

Termin: 8. Februar bis 26. Mai. Katalog: Hirmer Verlag, 39,80 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro
http://www.liebieghaus.de/lh/

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