Radar - Barbara Kuhls

Barbara Kuhls über Nik Nowak

In unserer Serie "Radar" stellen Sammler, Kuratoren, Dozenten und Kritiker ihre aktuellen Lieblingskünstler vor. Diesmal: Barbara Kuhls, Art-Managerin der HSH Nordbank AG, über den Berliner Künstler Nik Nowak.
Radar: Nik Nowak:Barbara Kuhls über ihren Lieblingskünstler

Nik Nowak: "Souvenirs", ferngesteuertes Gefährt mit Kettenantrieb und zwei Lautsprechern

Kennen gelernt und entdeckt habe ich den Berliner Künstler Nik Nowak bei seiner Einzelausstellung "Double Back" im Sommer 2007 in der Galerie White Trash Contemporary in Hamburg. Laut hämmernde Beats aus dem mobilen Booster "Souvenir 1", einem ferngesteuerten Gefährt mit Kettenantrieb und zwei Lautsprechern, schallten durch den Raum.

Eine 4 mal 13 Meter große Wand der Galerie war beklebt mit Duct Tape, schwarzem Stoffklebeband, zu einem riesenhaften Wandbild mit dem lautmalerischem Titel "shimmy shimmy ya", der so gar nicht zu dem martialischem Motiv passte: Riesige Panzerketten prangten an der Wand und drohten die Besucher umzufahren. Mit akribischer Fingerfertigkeit waren große und kleine Stückchen des Tapes auf die Wand gebracht zu einem überdimensionierten Panzer, der die Architektur des Raums beinahe sprengte. Panzer, Kettenfahrzeuge, Raketen, mobile Booster, dies ist die eine künstlerische Seite von Nik Nowak. Mit diesen ungemütlichen, bedrohenden Fahrzeugen will uns Nik zu verstehen geben, dass Hülle nicht gleich Inhalt ist und Sehgewohnheiten wieder und wieder aufgefordert sind, einmal anders zu schauen. Seine Booster sind zwar mobile Soundsysteme, Hybride aus Geländewagen und Ghettoblaster, so schön wie auch unpraktisch. Die hochglanzlackierten Glasfaserformen täuschen durch ihr biomorphes Design eine industrielle Fertigung vor und lassen auf selbstironische Weise die Konsumgewohnheiten unserer Gesellschaft (mal wieder) in Frage stellen. Das passt auch zu den hintersinnigen Titeln "Booster", deren mehrfache Bedeutungen wunderbar ironisierend sind. So nennt man einen Hilfsantrieb bei Lokomotiven oder Raketen oder Hilfssprengladungen vor Explosionen ebenfalls Booster oder in der Humanmedizin den Zweitkontakt unseres Immunsystems mit einem Antigen, einer Impfung sozusagen. Metaphern für Hilfsmotoren, die Bewegung bringen.

Mit dieser Ausstellung zeigte Nik Nowak auch eine weitere künstlerische Seite und einen Ausschnitt seines Könnens als Zeichner mit Werken auf Papier ("Wet Pain") und eine Tintenzeichnung ("Der Fluch ins Paradies"), die seine besondere Gabe für zeichnerische komplexe Themen wiedergibt. Seine Wandbilder, die geklebt, gemalt, gezeichnet und mit gefärbter Vaseline auf Untergründe gebracht wurden, sind zum großen Teil temporär und nicht von Dauer. Das jedoch stört Nik Nowak nicht im Geringsten, denn für ihn ist das Schaffen ein permanenter Modus.

Keine Message

Eines seiner aktuellen großformatigen Wandbilder ist zur Zeit in der Hamburger City im Konferenzzentrum der HSH Nordbank zu sehen, eine Arbeit, die beim Betreten der Ausstellung ins Auge springt und den Betrachter erst einmal stutzen lässt, was dort an der Wand in mächtigen schwarzen Formen wirkt. Nik Nowak spielt ganz bewusst mit den Erwartungen der Betrachter und findet jegliche Kommentierung völlig in Ordnung, auch wenn es negative Bemerkungen zu diesem Wandbild gibt. Vorerst. Denn nach längerem Schauen und Wirken lassen, wird das Bewusstsein melden, dass auch weiße Flächen dem Motiv einen Sinn geben und sich das Ganze zu einem Vexierbild verändert. Er habe keine Message, ich bin gar nicht so wichtig, so der Künstler, aber die Reaktionen der Menschen auf seine Arbeiten interessieren ihn schon, wie er betont.

Auch in diesem Wandgemälde "Mimimorphosis" beschäftigt sich Nik Nowak mit der Verbindung aus Täuschung und Wandel. Der Titel der Arbeit ist eine Wortkreation aus zwei Begriffen der Biologie: Mimikry, von den Worten Nachahmen oder Mimen abgeleitet, und Metamorphose, das sich aus dem griechischen mit Verwandlung übersetzen lässt. Das dargestellte zentrale Motiv ist vielmehr Zeichen, Emblem oder Logo als eine Figur im herkömmlichen Sinn. Nik Nowak bedient sich der Kommunikationsstrategien einer industriellen produktorientierten Gesellschaft und überführt diese in seine künstlerischen Arbeiten. Das Motiv an sich erscheint mit seinem harten Schwarzweißkontrast eher wie ein Schatten oder eine Reflexion im Auge des Betrachters, entzieht sich bewusst dem Verständnis von Bild und Abbild und reiht sich subtil in den Dschungel urbaner Codes und Zeichen ein.

"Nordschau III"

Termin: bis 27. August, Konferenzzentrum der HSH Nordbank,
Gerhart-Hauptmann-Platz 50
http://www.hsh-nordbank.de/de/presse/pressemitteilungen/press_release_detail_1056000.jsp

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