Glamour! - Berlin

Kunstseidene Damen

Marlene Dietrich und Greta Garbo prägten Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre ein androgynes, unnahbares Frauenbild, das bis heute die Kunst- und Modewelt fasziniert. In den letzten Jahren der Weimarer Republik waren Frauen unerhört weltläufig und elegant – diesem Stil huldigt das Berliner Georg-Kolbe-Museum nun mit einer umfassenden Schau.
Mondän, schick, selbstbewusst:Der Stil der späten Weimarer Republik

Bild der deutschen Fotografin Yva alias Else Neulaender-Simon (1900 bis 1942)

Die Spätphase der Weimarer Republik ist die letzte wegbereitende Zeit vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und die marode politische Ordnung überschatten besonders in der Rückbetrachtung alle anderen Entwicklungen der Zeit.

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Das Berliner Georg-Kolbe-Museum zeigt nun "Glamour! Das Girl wird feine Dame – Frauendarstellungen in der späten Weimarer Republik" und widmet damit einer ganz besonderen Facette der Weimarer Kulturentwicklung eine umfangreiche Ausstellung: der Damenmode.

Bis heute fasziniert der androgyn-elegante Stil, den Diven wie Marlene Dietrich und Greta Garbo unsterblich machten, immer wieder Künstler, Modemacher und Superstars, wie zum Beispiel Madonna. Um der Entwicklung dieses Stils nachzuspüren zeigt die Berliner Ausstellung zahlreiche Kunstwerke, vor allem Porträts in Malerei und Bildhauerei, Filmstills, Modegrafiken und –fotografien und darüber hinaus auch Kleidungsstücke und Accessoires aus der Zeit.

Die Schau möchte zeigen – so steht es in der Einführung des umfangreichen Katalogs – dass sich in den Jahren zwischen 1928 und 1932 "in Bereichen der Bildenden Kunst – und mehr noch in der Fotografie, der Mode und dem Film – ein eleganter, urbaner Stil finden lässt, der auf ein kulturelles Klima zurückging, das sich sowohl gegenüber den zwanziger Jahren als auch dem Nationalsozialismus abgrenzen lässt."

Gemeint ist die Phase zwischen dem charmant rebellierenden "Roaring Twenties"-Girl und der dem braunen Frauenideal nacheifernden Volksmutter: die elegante Dame der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre. Es ist die Zeit von Tucholskys "Schloß Gripsholm", der Musik der "Comedian Harmonists" und von Brechts "Dreigroschenoper". Die Damen, um die es in dieser Ausstellung geht, orientierten sich an der Eleganz und Weltläufigkeit von Hollywood-Diven und der Mode aus den Pariser Haute-Couture-Salons. Sie waren konservativer in Lebensanschaung und Kleidungsstil als die Girls der frühen Zwanziger, aber noch nicht so völkisch und beflissen wie die Musterfrau des Dritten Reichs.

Die Mode war feminin, körperbetont, glamourös und die Körper der Trägerinnen schlank, grazil und sportlich. Zeichnerinnen wie Lieselotte Friedländer, Annie Ofterdinger und Jeanne Mammen brachten sie für Magazine wie "Die Dame", "Elegante Welt" oder "Moden-Spiegel" auf hohem Niveau zu Papier. Modefotografen und –fotografinnen wie die Berlinerin Yva, bei der Helmut Newton lernte, setzen die Damen mit starken Helldunkelkontrasten in Szene. Diese Bildsprache findet sich auch in den Starporträts von berühmten Hollywood- und Ufa-Schauspielerinnen, wie Greta Garbo, Marlene Dietrich, Lil Dagover oder Lilian Harvey.

Auch in der Kunst der Neuen Sachlichkeit spiegelt sich dieses Schönheitsideal eindrucksvoll wieder, bestens zu sehen an den Bildern der polnischen in Paris lebenden Malerin und Society-Größe Lolita de Lempicka. Aber Rudolf Schlichter, George Grosz und Otto Dix huldigen diesem in Makellosigkeit und Unnahbarkeit faszinierenden Frauentypus, dessen Zeit sich auch langsam mit dem Ausklang des Jahrzehnts gen Ende neigt.

"Glamour! Das Girl wird feine Dame – Frauendarstellungen in der späten Weimarer Republik"

Termin: 17. Februar bis 12. Mai, Georg-Kolbe-Museum, Berlin. Katalog: E. A. Seemann Verlag, 19,90 Euro
http://www.georg-kolbe-museum.de