Cy Twombly - Fotografie

Im Rausch des Lichts

Zum 80. Geburtstag hat der große amerikanische Maler Cy Twombly, neben Jackson Pollock, Mark Rothko und Willem de Kooning einer der bedeutendsten Vertreter des Abstrakten Expressionismus eine Überraschung parat: Er präsentiert sich auch als Fotograf. Er fotografiert zwar bereits seit 1951, aber erst jetzt bringt der deutsche Verlag Schirmer/Mosel den Bildband "Cy Twombly: Photographs 1951-2007" heraus.
Cy Twombly als Fotokünstler:Überraschung zum 80. Geburtstag

Cy Twombly, "Ansicht des Ateliers in Gaeta", 2005

Es sind lichtdurchflutete, diffuse, fast impressionstisch wirkende Interieurs von dezenter und doch rauschhafter Farbigkeit. Twombly, der hauptsächlich in Italien lebt, nahm diese Fotos in seiner Wohnung in Rom, in seinem Haus in Bassano oder seinem Atelier in Gaeta auf. "Gelassen präsentiert Twombly eine vornehmlich stille, kontemplative Bilderwelt. Es ist insgesamt ein Manifest des empfindsamen Sehens", schrieb dazu der Kunstkritiker Laszlo Glozer im Bildband.

10796
Strecken Teaser

Cy Twombly (mit vollem Namen Edwin Parker Twombly Junior) wurde 1928 in Lexington, USA, geboren. Den Spitznamen "Cy" übernahm er vom Vater, einem Baseballspieler und Leichtathletik-Trainer. Von 1948 bis 1951 studierte er in Washington, Lexington und New York. Beim anschließenden Studium am legendären Black Mountain College in North Carolina wurde Twombly von der revolutionären Malerei der Abstrakten Expressionisten gepackt. Er freundete sich mit Robert Rauschenberg an, mit dem er unter anderem nach Nordafrika, Spanien und Italien reiste. Italien wurde seine große Liebe – noch heute lebt und arbeitet Twombly dort.

Trotz seine Begeisterung für das Licht und die Farben des mediterranen Raumes wurde seine bevorzugte Farbe das Weiß. Er malte zunächst mit großflächigen, breiten Pinselstrichen, aber schon in der Mitte der Fünfziger Jahre kamen grafische Elemente, mit Kreiden und Farbstiften in die Bilder eingefügt, hinzu. Twombly erlangte durch seine sparsam kolorierte Malerei, die eine Synthese aus abstraktem Expressionismus, Automatismus, Kalligrafie und Graffiti zu sein scheint, Weltruhm.

In den sechziger Jahren nahm er ein erotisches Motiv aus der griechischen Mythologie, "Leda und der Schwan", in seine Malerei auf, die nun auch farbiger wurde. Von 1976 an entstanden vermehrt auch Skulpturen, in denen er die Prinzipien seiner Malerei in die dritte Dimension umsetzte.

Dass das Weiß in Tomblys Malerei und in seinen Skulpturen Betrachter auch auf ungewollte Weise herausfordern kann, zeigte sich jüngst: Eine Französin hatte bei einer Ausstellung in Avignon einen knallroten Kussmund auf das ansonsten makellos weiße Gemälde gedrückt, das auf zwei Millionen Euro geschätzt wird. Zu ihrer Verteidigung sagte sie, sie habe sich durch die "Macht der Kunst" provozieren lassen. Cy Twombly verklagte sie auf Schadensersatz.

Ausstellungen zum 80. Geburtstag von Cy Twombly

München, Schirmer/Mosel-Showroom: "Cy Twombly: Photogtaphs III" (bis 31. Mai). London, Tate Modern: "Cy Twombly: Cycles and Seasons" (19. Juni bis 14. September). Anschließend: Bilbao, Guggenheim Museum: 28. Oktober 2008 bis Februar 2009. Rom, Galleria Nazionale d’Arte Moderna: 25. Februar bis 17. Mai 2009. Madrid, Prado: "Lepanto. Cy Twombly" (24. Juni bis 28. September). Amsterdam, Huis Marseille: Cy Twombly: "Photographs 1951 – 2007" (September 2008)
http://www.schirmer-mosel.de/homed1/exhibitions.htm