Das triadische Ballett - München

Pirouette im Reifrock

Gerhard Bohners Choreographie des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer – eines der erfolgreichsten Stücke der jüngeren Tanzgeschichte - wird zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder aufgeführt.

Als Oscar Schlemmer das Triadische Ballett 1922 in Stuttgart am Württembergischen Landestheater uraufführte, gab es wenig Resonanz seitens des Publikums.

Die mit raumgreifenden Kostümen umformten Körper wirkten fremd in der Tanzszene der zwanziger Jahre. Außer einigen Originalkostümen, Fotografien, Aufzeichnungen und Rezensionen existiert wenig, das Auskunft über die ursprüngliche Idee Schlemmers gibt. Eine festgelegte Musik hat es sowieso nie dazu gegeben.

1977 wagte der Choreograph Gerhard Bohner eine Rekonstruktion auf Basis des vorhandenen Materials. Dazu schuf er Kostüme, die sich eng an den von Schlemmer entworfenen Originalen orientierten. Die Musik dazu schrieb der Komponist Hans-Joachim Hespos, der sich schon länger mit dem Werk Schlemmers beschäftigt hatte. Zwischen 1977 und 1989 gab es zahlreiche Aufführungen des Triadischen Balletts. Architekten, Künstler und Tänzer begeisterten sich gleichermaßen für das innovative Konzept. Doch danach verschwand das Triadische Ballett von den Bühnen, nicht zuletzt, weil es immer wieder Probleme mit den Erben Schlemmers im Umgang mit dem Nachlass des Künstlers gegeben hatte.

Mit der Aufführung des Bayerischen Staatsballetts kommt das Triadische Ballett nach 25 Jahren nun wieder ins Programm. Dafür sind die von Gerhard Bohner geschaffenen Tanzkostüme in den Werkstätten des Bayerischen Staatsballetts restauriert worden. Es gibt hölzerne Reifröcke, die an bunte Kreisel erinnern, metallisch glänzende Spiralen oder dick gepolsterte Hosen wie beim Clown. Schon allein deshalb lohnt sich ein Besuch. Anders als bei der Uraufführung 1922 gibt es ein lebhaftes Interesse beim Publikum. Bei hochsommerlichen Temperaturen drängten sich die Menschen in der bis auf den letzten Platz ausverkauften Münchener Reithalle, während vor den Türen noch verzweifelt einige nach Karten suchten.

Die Aufführung findet in einem komplett in Schwarz gehaltenen Bühnenraum statt, der sich in der Dimension an einer kleinen Studio-Bühne orientiert. Der Name "Das Triadisches Ballett" leitet sich von dem Begriff der Dreiheit ab. Schlemmer hatte zwölf kurze Tanzstücke für drei Tänzer entworfen, die allein zu zweit oder zu dritt getanzt werden. Die raumgreifenden zum Teil sehr schweren Kostüme stellen dabei immer neue Herausforderungen an die Tänzer. Nicht immer gelingt es den Junioren des Bayerischen Staatsballetts, diese auch zu bewältigen. Die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten werden durch pantomimenhafte Gestik konterkariert, sodass sich trotz der extremen Abstraktion Geschichten zwischen den Darstellern entspinnen. Ob das von Schlemmer so beabsichtigt war, sei dahin gestellt, aber Bohner hatte es auch schon bei seiner Rekonstruktion von 1977 nicht auf eine perfekte Adaption der historischen Vorlage abgesehen. Es ging ihm vielmehr um eine Auseinandersetzung mit den Kostümen und einer neuen Umsetzung von Bewegung im Raum – ein Generalthema in der Kunst, das zu keiner Zeit an Aktualität verliert.