Georg Baselitz - Klosterneuburg

Museale Geburtstagsfeier

Die Sammlung Essl ehrt in Klosterneuburg bei Wien mit einer großen Schau den Maler Georg Baselitz zum 75. Geburtstag

Er sei "ein mögliches gemeinsames Kind von Cézanne und Matisse" oder "der deutsche Picasso" – die vorgezogene museale Geburtstagsfeier für Georg Baselitz in der Sammlung Essl wäre um ein Haar in Peinlichkeiten abgedriftet, wäre der Geehrte nicht energisch auf Distanz gegangen zu seinen Festrednern Fabrice Herrgott aus Paris und Gastgeber Karlheinz Essl.

"Den alten Picasso hat in den sechziger Jahren niemand mehr geliebt", wehrte Baselitz ab, vor allem die Jugend habe ihn nicht mehr verstanden; und Henri Matisse sei im Alter trotz aller Meisterwerke "einfach zu gebrechlich" gewesen. Damit will der Meister vom Ammersee nur bedingt verglichen werden. "Ich fühle mich absolut jung im Kopf, auch wenn der Körper nicht immer mitspielt ", so ein gutgelaunter Baselitz, der bei Geburtstagstorte und "Happy Birthday" gute Miene zum leicht läppischen Spiel machte und sich trotz um eine Woche verfrühter Geburtstagsehren nicht abergläubisch zeigte.

Wie jung der Künstler Baselitz wirklich ist, zeigte die gut gehängte Schau mit 44 Bildern ab 1969, allesamt aus den Beständen der Sammlung. Auf jede Chronologie verzichtend, beweist die Bildauswahl, wie sich einerseits Baselitz immer wieder formal erneuert und jeden Zyklus anders anlegt, seinen Motiven und Themen andererseits immer treu bleibt. So ergibt sich trotz aller stilistischen Unreschiede ein Eindruck der Geschlossenheit – Baselitz ist ein Maler, der sich und seiner Kunst seit Ende der fünfziger Jahre immer treu geblieben ist.

Vom Frühwerk, den "Köpfen", "Fraktalbildern" oder "Helden", besitzt Essl leider nichts, da muss der Besucher mit den neugemalten Versionen der "Remix"-Serie ab 2004 vorliebnehmen, in der Baselitz manch altes Motiv mit Humor und frischer Vitalität neu aufnimmt. So hing hinter dem Podium der Festredner ein riesiges Format zweier junger "Helden", schönes Symbol für die Jugendlichkeit des Künstlers, der zurecht anmerkte, das Museum der Sammlung Essl mit seinen hohen weißen Wänden und viel Oberlicht sei einer der wenigen Orte, wo man solche Bilder überhaupt zeigen könne.

Dafür besitzt Essl unter seinen insgesamt rund 50 Werken von Baselitz bereits aus den siebziger Jahren manches Schlüsselbild, etwa das hellgründige "Selbstporträt – Fingermalerei" von 1972, das den nackten Maler frontal zeigt. Das spätere "Vater, aus dem Fenster schauend", ist eines von mehreren Beispielen der Familienbilder, in denen Baselitz Kunst-, Zeit- und Familiengeschichte koppelt. Ähnlich wie in den die Erinnerungen aus der Schulzeit neu formulierenden "Russenbildern", etwa "Lenin auf der Tribüne", oder dem Remix von "Schon wieder eine schlechte Note" mit einem halben Dutzend Schülerköpfe. Ebenfalls zu den Schlüsselwerken der Sammlung gehört das ungewöhnliche Großformat mit vier traurigen Cowboys, die der Provokateur Baselitz in die Konstruktion eines angedeuteten Hakenkreuzes hineinmalt, und natürlich die über lebensgroße Holzskulptur mit "Neuer Kappe", die den Maler in Shorts und Mütze zeigt.

Auch die jüngste Bilderserie mit fast abstrakten Gemälden, Variationen früherer Werke, die man erst entschlüsselt, wenn man sie per Fotoapparat oder Computer in ihr Negativ verwandelt, ist bei Essl würdig vertreten. Sie zeigt, wie Baselitz nicht nur in der Kunstgeschichte, sondern auch dem eigenen Werk immer wieder Haken schlägt. Warum er das tut und wie er sich sei über 50 Jahren seine jugendliche Energie und Frische bewahrt, wird er in der Februar-Ausgabe von art, die ihn und seinen 75. Geburtstag pünktlich feiert, an vielen Bildbeispielen erläutern, von denen einige schon jetzt im Original in Klosterneubug bei Wien zu bewundern sind.

Die Februar-Ausgabe von art erscheint nächsten Freitag als Sammlerstück mit einem von Georg Baselitz gestalteten Cover. 75 Exemplare hat Baselitz signiert - mit etwas Glück können art-Leser so einen echten Baselitz erhalten.

GEORG BASELITZ – Werke von 1968 bis 2012

Klosterneuburg, Museum Essl
bis 20. Mai
http://www.essl.museum/ausstellungen/baselitz13.html

Mehr zum Thema auf art-magazin.de