Lesser Ury - Baden-Baden

Die Nacht im Scheinwerferlicht

Maler der Nacht: Lesser Ury gehörte zum Kreis um Liebermann und Corinth, doch nach der Nazizeit geriet er in Vergessenheit.

Seine Kollegen gingen ins Freie und studierten Licht und Schatten in der Natur. Lesser Ury war dagegen ein Mann der Nacht.

Auch ihn faszinierten die Lichtreflexionen – aber nicht im Grünen, sondern in der Stadt. "Er hat eine Formel erfunden, die uns heute allen vertraut sein mag, aber damals neu war", sagt Matthias Winzen, Direktor des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, "er malte schwarze Taxidroschken, deren Scheinwerfer sich auf der nassen Straße spiegeln."

Winzen hat in Baden-Baden die Ausstellung "Lesser Ury und das Licht" konzipiert und will damit einen Maler würdigen, der trotz dieser "epochemachenden Leistung" weitgehend in Vergessenheit geraten sei. Dabei hatte Ury schnell Karriere gemacht und gehörte zum Kreis von Künstlern wie Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt.

Ury ist 1861 in einem Dorf bei Posen geboren, "er kommt von der tiefsten Provinz in die Großstadt Berlin", sagt Winzen. Er malt immer wieder Autos auf den dunklen Straßen der Großstadt – wie die "Nächtliche Szene am Kurfürstendamm mit Blick in Richtung Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche" (um 1925). Er malte aber auch Ufer im fahlen Mondlicht. Formal sei interessant, dass er Schatten nicht mehrfarbig gestaltete, sondern nur schwarze Farbmassen auf die Leinwand gab, meint Winzen. "Wie er zum Beispiel Bäume als schwarze Flächen malt, das ist schon radikal."

In der Ausstellung, die einen Bogen spannt von den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts bis kurz vor Urys Tod 1931, werden neben 30 Gemälden auch Zeichnungen und Drucke gezeigt. "Er war auch ein ganz fantastischer Zeichner und Radierer", sagt Winzen. Viele der Zeichnungen seien bei Aufenthalten im Caféhaus entstanden. "Die Menschen sitzen vereinzelt bei Kunstlicht, es gibt wenig soziales Miteinander ", so Winzen. Mit Beginn der Nazizeit enden seine Bekanntheit und sein Ruhm schlagartig, erklärt der Kurator. "Aber anders als bei vielen 'Entarteten' findet bei Ury nach 1945 keine Wiederentdeckung statt."

Lesser Ury und das Licht

Baden-Baden, Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts
5.4.–31.8.
Es erscheint ein Katalog im Athena-Verlag, der 19 Euro kostet
http://www.la8.de/de/museum.html

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