Holger Mühlenbeck - Stillgelegt

Wo der Bagger regiert

Fotos aus dem Braunkohlerevier – die Deutsche Bank Wuppertal zeigt die Ausstellung "Stillgelegt" des Fotografen Holger Mühlenbeck
Wo Dörfer sterben:Fotos aus dem Braunkohlerevier von Holger Mühlenbeck

Reste menschlicher Zivilisation: Aufnahme von Holger Mühlenbeck

Die Schilder am Straßenrand teilen mit, wann die Heilige Messe und wann der evangelische Gottesdienst abgehalten werden. Ein monströser Bagger aber, der dräuend im Hintergrund lauert, zeigt: Hier wird nie wieder eine Messe, gleich welcher Konfession, gelesen.

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Strecken Teaser

Eine andere Aufnahme, die der Fotograf Holger Mühlenbeck gemacht hat, zeigt ein neogotisches Gotteshaus, dessen Spitzbogenfenster in einem Trümmerhaufen gerade noch erhalten sind. Auch in der Bäckerei Ehms wird keiner mehr seine Brötchen kaufen, und eine Erotikmesse, auf einer Litfaßsäule angekündigt, hat hier zum letzten Mal stattgefunden. Holger Mühlenberg fotografiert, was sich in den Gebieten um Garzweiler, Hambach und Inden im Dreieck Düsseldorf, Aachen und Köln seit Jahrzehnten abspielt: Für den profitablen Braunkohle-Tagebau werden ganze gewachsene Ortschaften geopfert und die Menschen umgesiedelt. Unter dem Titel "Stillgelegt" sind 35 von Mühlenbergs großformatigen C-Prints – sie haben die Maße 180 x 120 beziehungsweise 120 x 80 Zentimeter – in der Deutschen Bank Wuppertal zu sehen.

"Ich habe festgehalten, was morgen schon nicht mehr so ist wie im Moment des Fingerdrucks auf den Auslöser", sagt Mühlenberg über seine Arbeit, die Reportage- und Kunstfotografie vereint und die er als "pure Fotografie, die nicht gestellt oder am Bildschirm verändert worden ist", bezeichnet. Er findet "Situationen vor und drücke auf den Auslöser oder nicht. Es ist eine gleichzeitige Erfassung des Ereignisses und die genaue Anordnung des visuell Wahrgenommenen oft binnen Sekunden."

"Stillgelegt"

Termine: Deutsche Bank, Friedrich-Ebert-Straße 1. 11. Juni bis 11. Juli. Atelierausstellung im Atelier Holger Mühlenbeck (Sadowastraße 12, Telefon 0202/313844), 20. Juli bis 30. September, nach telefonischer Anmeldung.