Imi Knoebel - Wolfsburg

Nichts reinigt gründlicher

Der Düsseldorfer Imi Knoebel, dessen Künstlervorname auf ein DDR-Scheuermittel zurückgeht, reinigt seine Bildsprache gerne von allem Überflüssigen. In seinen Arbeiten treibt er den Minimalismus auf die Spitze. In der Wofsburger Retrospektive gibt es daher zwar nur wenig zu sehen, davon aber erstaunlich viel.

Eine berühmte Bilderserie von Barnett Newman heißt "Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau?" Imi Knoebel fand eine gemalte Antwort, indem er Newmans Spiel mit den primärfarben einfach weiterdrehte und dem Ganzen den Titel "Ich nicht" (2004/06) gab.

Angst vor großen Namen hatte Knoebel, der im nächsten Jahr 75 Jahre alt wird, schon in jungen Jahren nicht: An der Kunstakademie Düsseldorf erklärte er Kasimir Malewitsch zu seinem Vorbild und brachte seinen Lehrer Joseph Beuys dazu, ihm ein ganzes Atelier 
als Experimentierbühne zu überlassen. Hier schichtete er Hunderte Hartfaserstücke aufeinander und nannte diese Installation nach dem Raum, in dem sie stand. "Raum 19" (1968) ist nun der Ausgangspunkt einer von Knoebel selbst im Kunstmuseum Wolfsburg eingerichteten Retrospektive. Danach, sagt Knoebel, "geht alles durcheinander". Viel zu sehen gibt es auf den rund 100 Arbeiten nicht, von dem Wenigen dafür aber erstaunlich viel: Knoebel ist ein Purist, der die Bild- und Dingwelt von allem Überflüssigen zu reinigen versucht – sein Künstlervorname Imi geht auf ein Scheuerpulver zurück.

Wobei Knoebel mit den Jahren durchaus etwas lockerer wurde: Im Vergleich zu den 250 000 Blättern, auf die er zwischen 1968 und 1973 freihändig schnurgerade Linien zeichnete, wirken seine aus roten, gelben und blauen Splittern zusammengesetzten Glasfenster für die Kathedrale von Reims (2011) geradezu frivol. Aber das ist eben Knoebels große Kunst: den Minimalismus so lange auf die Spitze treiben, bis man in kleinsten Abweichungen ungeahnte Freiräume entdecken kann.

"Imi Knoebel. Werke 1966-2014"

Termin: noch bis zum 15. Februar 2015, Kunstmuseum Wolfsburg.

Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag und kostet 50 Euro.

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http://www.kunstmuseum-wolfsburg.de/

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