Glück – Welches Glück - Hygiene-Museum

Macht Karaoke glücklich?

Jeder ist ununterbrochen auf der Suche nach Glück. Das Hygiene-Museum in Dresden widmet sich nun dem Thema und umkreist in sieben Themenräumen (Liebe, Restaurant, Sport, Neuronen, Musik, Körper, Fortuna) dieses große, universelle Thema der Menschheit.
Macht Karaoke glücklich?:Eine Ausstellung zum Thema Glück

Unfallfotografien aus den Jahren 1961 bis 1981 von Arnold Odermatt.

Glück – der Philosoph Arthur Schopenhauer nann­te den Anspruch darauf einst den größten Irrtum der Menschheit, die Gründungsväter der USA nahmen das Streben danach sogar in die Verfassung auf. Nun wid­­met sich das Hygiene-Museum in Dres­den diesem universellen Thema und fragt im Ausstellungstitel gleich: "Welches Glück?"

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Mit Recht, denn Glücksvorstellungen variieren von Mensch zu Mensch und von Kultur zu Kultur. Im Sinne dieser immensen Bandbreite betraute das Museum denn auch den Afrikaner Meschac Gaba (Jahrgang 1961) mit der Gestaltung der Ausstellung. Der Künstlernomade pendelt zwischen Afrika, Europa und Amerika und bezeichnet Glück als "die größte Inspiration des Lebens".

In sieben Themenräumen umkreist er die Materie und beginnt ohne Umschweife mit den Glücksversprechen von Liebe und Religion. Gaba verstaut Exponate zwischen Rodins Skulptur "Der Kuss" und dem hinduistischen Glücksgott Ganesha in Regalsystemen aus MDF-Platten und zeigt damit sei­ne bewährte Vorliebe für modulare Bau­sätze. Mit ähnlichen Einbauten errichtete er bereits 2002 sein "Museum of Contemporary African Art" auf der Documenta 11. Museumssituationen liegen dem Mann aus Benin offensichtlich und auch der Mitmachgestus, den die Besucher in dem Haus schätzen und erwarten. So kann man im "Neu­ronen-Raum" diverse Sinnesreize wie Scho­kolade oder Düfte selbst ausprobieren und anhand von aufleuchtenden Schaltkreisen zusehen, wie diese Glücksstimulanzien auf das Belohnungszentrum des Hirns wirken.

Im "Musikzimmer" lädt eine schalldichte Karaoke-Kabine ein, die beglückende Wirkung eigener Sangeskunst zu überprüfen. So spielerisch geht es aber nicht durchweg zu: Im "Fortuna-Raum" sollen ein Labyrinth aus geldscheingefüllten Glasmauern und eine Überwachungskamera daran erinnern, wie viel Anstrengung es braucht, um einen erreichten Glückszustand zu schützen.

Eine andere Abteilung befasst sich mit der globalen Verteilungsgerechtigkeit: weltweite Migrationsbewegungen, ausgelöst von der Suche nach dem Glück. Außerhalb des saturierten Westens zählt dazu bereits ausreichende Nahrung. Gebrochen wird das ernste Problem mit einem gehäkelten Speisenbuffet von Patricia Waller, die mit Künstlerkollegen wie Aernout Mik oder Miguel Rothschild in Gabas Glücksuniversum als Gast auftritt. Die Gestaltung des Entrees hat sich der afrikanische Künstler selbst vorbehalten: Ein kitschiges Rosenspalier umkränzt den Ausstellungseingang und verweist auf Klischees zwischen Verheißung und Trugbild bei der Jagd nach Erfüllung.

"Glück – welches Glück"

Termin: bis 2. November, Deutsches Hygiene-Museum, Dresden. Katalog: Hanser Verlag, 19,90 Euro.
http://www.dhmd.de