Ai Weiwei - Kampagne

Lasst tausend Blumen blühen

Kann Ai Weiwei bald ins Flugzeug nach Berlin steigen? Ein deutscher Freundeskreis setzt sich bei Politikern für die Reisefreiheit des Künstlers und Dissidenten ein. Auch der Blumenlieferservice Fleurop spielt eine Rolle in der Kampagne.
Schickt Ai Blumen!:Mit "Flowers for Ai Weiwei" für Ais Reisefreiheit

Vor Ai Weiweis Atelier steht ein Fahrrad mit einem Blumenkorb. Wer möchte, kann über Fleurop einen Strauß dorthin schicken und ihn so in seiner Forderung nach Reisefreiheit unterstützen

Wie frei ist Ai Weiwei?

Am 22. Juni 2011 wurde der chinesische Künstler und Dissident aus der Haft entlassen. Man hatte ihn mit dubiosen Vorwürfen wie Steuerhinterziehung, Bigamie und Verbreitung von Pornografie konfrontiert und ihn 81 Tage in einer Zelle an einem unbekannten Ort festgehalten. Man hatte ihn verhört und ihm gedroht, und plötzlich war er entlassen worden. Ai Weiwei ist seit diesem Junitag wieder frei – jedenfalls insofern, als er nicht mehr im Gefängnis sitzt. Aber wie frei ist jemand, der die Stadt Peking und das Land nicht verlassen darf? Seinen Reisepass hat der Künstler nicht zurückbekommen, sein Atelier wird rund um die Uhr mit etlichen Kameras überwacht. Die Form des Hausarrestes möchte der Künstler nun nicht länger hinnehmen. Am 27. Februar hat er offiziell die Rückgabe seines Reisepasses beantragt.

Ein deutscher Freundeskreis unterstützt den Künstler. Der Berliner Rechtsanwalt Peter Raue besuchte Ai im Februar zusammen mit dem Berliner Galeristen Alexander Ochs in seinem Haus in Peking, um sich ein Bild der rechtlichen Lage zu machen. Raue ist eine Größe in der Kunstszene, er war 31 Jahre lang Vorsitzender des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. Zurück in Berlin, erläuterte Raue auf einer Pressekonferenz im Gropiusbau die juristischen Umstände des Falls: Unter anderem wies er darauf hin, dass Ai Weiwei zwar kein ordentliches Verfahren bekommen habe, die gerichtlich bestätigte Steuerschuld aber längst habe begleichen wollen, indem er den geforderten Betrag hinterlegte. Dass die Behörde das Geld noch nicht abgebucht hat, deutet Raue als bewusste Entscheidung, den Fall offen zu halten und als Druckmittel zu benutzen.

Ab dem 3. April ist im Berliner Martin-Gropius-Bau die Ausstellung "Evidence" zu sehen, Ai Weiwei zeigt dort vorwiegend Arbeiten mit politischem Bezug. Am 9. Mai beginnt die Jahresversammlung der Berliner Akademie der Künste, deren Mitglied Ai Weiwei ist. Ziel des Freundeskreises, der sich schon 2011 während der Haft für den Künstler einsetzte, ist, den Künstler zu diesen beiden Anlässen in Berlin persönlich begrüßen zu dürfen. Ende März kommt die chinesische Regierung zu einem Staatsbesuch nach Berlin: Der Freundeskreis hat Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einem offenen Brief aufgefordert, sich bei den Gesprächen für die Reisefreiheit des Künstlers einzusetzen.

art berichtet im Aprilheft über Ai Weiwei, hat mit dem Künstler eine exklusive Edition entwickelt, und unterstützt die Kampagne des Freudeskreises. Wer einen Beitrag leisten möchte, findet hier alle nötigen Informationen. Neben der Möglichkeit, den Appell zu unterschreiben, gibt es auf der Website der Freunde Ai Weiweis auch Informationen zur Aktion "Blumen für Ai Weiwei". Vor seinem Atelier steht ein Fahrrad mit einem Blumenkorb, es ist ständig im Visier der Kameras. Wer möchte kann über Fleurop einen Strauß dorthin schicken. Wenn sich dort ein Blumenmeer ausbreitet, ist das ein sichtbares symbolisches Zeichen der Solidarität.

Peter Raue gibt sich übrigens optimistisch, dass der Künstler bald wieder reisen kann. "Ich glaube an den Erfolg", sagte er in während der Berliner Pressekonferenz.

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