Else Lasker-Schüler - Frankfurt

Erzählungen von Prinz Jussuf

Else Lasker-Schüler war eine der bedeutendsten Vertreterinnen einer avantgardistisch-expressionistischen Dichtung. Das Jüdische Museum in Frankfurt am Main stellt jetzt ihr beeindruckendes zeichnerisches Werk vor.

"Ich bin in Theben (Ägypten) geboren, wenn ich auch in Elberfeld zur Welt kam im Rheinland. Ich ging bis elf Jahre zur Schule, wurde Robinson, lebte fünf Jahre im Morgenlande, und seitdem vegetiere ich". So beschrieb Else Lasker-Schüler in der von Kurt Pintus herausgegebenen Lyrikanthologie "Menschheitsdämmerung" als 50-Jährige ihr Leben.

Dem Alten Ägypten und dem Orient fühlte sie sich stets verbunden – ob in ihrem lyrischen Werk oder auch in ihren Zeichnungen. Lasker-Schüler war eine der bedeutendsten Figuren avantgardistisch-expressionistischer Dichtung. "Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte … Ihre Themen waren jüdisch; ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes Deutsch", rühmte der Dichter und Essayist Gottfried Benn seine Geliebte.

Aber sie war auch eine großartige Zeichnerin. Obwohl sie zu ihren Lebzeiten auch als Künstlerin gewürdigt wurde, ist ihr bildnerisches Werk nach ihrem Tod nahezu in Vergessenheit geraten. Das Jüdische Museum in Frankfurt/Main würdigt diese Seite ihrer Kreativität jetzt mit einer Ausstellung mit 150 Zeichnungen, Collagen, Briefzeichnungen, bemalten Postkarten und handkolorierte Lithografien, darunter viele bisher unbekannte Blätter. Else Lasker-Schüler war von Jugendstil, Expressionismus, Futurismus und Dada beeinflusst, einen besonderen Einfluss übten Franz Marc und Ernst-Ludwig Kirchner aus. In ihren Zeichnungen entwarf sie – mit zarten Kreiden und lichten Tuschen – eine heitere Welt, die durch orientalische Motive geprägt ist und in der ein märchenhafter Prinz Jussuf von Theben oft die Hauptrolle spielt.

Else (eigentlich Elisabeth) Schüler wurde 1869 in Wuppertal-Elberfeld geboren, ihr Vater war Aaron Schüler, ein jüdischer Privatbankier. 1894 heiratete sie den Arzt Jonathan Berthold Lasker, von dem sie 1903 geschieden wurde. Noch im selben Jahr heiratete sie den Schriftsteller Georg Lewin, dem sie sein Pseudonym Herwarth Walden vorschlug – Walden wurde einer der wichtigsten Förderer der deutschen Avantgardekunst und gab von 1910 bis 1932 die Zeitschrift "Der Sturm" heraus. 1910 trennte sie sich von Walden.

1932 wurde Lasker-Schüler noch mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet, 1933 aber floh sie im Angesicht des aufkommenden Nationalsozialismus nach Zürich – wo sie von der "Fremdenpolizei" mit Arbeitsverbot belegt wurde. "Nach Ablauf der Aufenthaltsgenehmigungen reiste sie zweimal nach Palästina, um erneut in die Schweiz einzureisen. Doch inzwischen sind die Zürcher Behörden fest entschlossen, die 'Petentin' fernzuhalten. Der Zweite Weltkrieg steht bevor. Die dritte Fahrt gerät zur Reise ohne Wiederkehr, ein erneutes Visum für die Schweiz wird verweigert. Seit Ende März 1939 wohnte sie in Jerusalem, wo ihre letzten Werke entstanden." So liest es sich in der Biografie der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft. Die Künstlerin starb mit fast 76 Jahren am 22. Januar 1945 in Jerusalem.

"Else Lasker-Schüler. Die Bilder"

Termin: 8. September bis 9. Januar. Katalog: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 29,00 Euro
http://juedischesmuseum.de/