Herbstsaison - New York

Ein Fest der Frauen

Es war auffällig, wie viele Galeristen sich zum Auftakt für ihre Künstlerinnen entschieden hatten und damit den Ton für die neue Saison anschlugen: Es wird ein Fest der Frauen. Ein Rundgang durch die New Yorker Herbsteröffnungen.
Saisonauftakt in New York:Es wird ein Fest der Frauen

Die Berliner Künstlerin Corinne Wasmuth zeigte bei Friedrich Petzel ihre ästhetischen Alltags- und Naturszenen. Hier ihr Gemälde: "Brückenstrasse"

Es wirkte, als ob die Stadt sich vorgenommen hatte, auf nur wenigen Blocks alles zu geben: Während in Chelsea die Galerien nach der Sommerpause ihre Türen öffneten und die Besucher sich wie beim Kirmesfest durch die Straßen schoben, ließen die Taxifahrer in der Autowaschanlage um die Ecke ihre Wagen polieren. Die 24th Street war grell erleuchtet, weil an neuen Folgen der TV-Serie "Ugly Betty" gedreht wurde. Und auf der 21st Street fuhren die Feuerwehrwagen vor.

Wegen eines kleinen Kabelbrands mussten gleich mehrere Galerien vorzeitig schließen. Die Gäste belagerten die gesperrte Straße und guckten den Feuerwehrmännern bei der Arbeit zu, als hätte der Abend sonst nichts Aufregendes zu bieten. Keith Tyson ließ bei Pace Wildenstein auf der 22nd Street die Würfel rollen und den Zufall über die Formation und Farbigkeit seiner bunten, kantigen Skulpturen entscheiden, die so aussahen, als hätten Kleinkinder mit Lego-Steinen gespielt. Phoebe Washburn hatte Zach Feuers Galerie mit einer ihrer clever absurden Getränkefabriken zugebaut. Die Kalifornierin Allison Schulnik gab in der Mike Weiss Gallery dem Gefühl der Einsamkeit das leider nicht ganz so neue Gesicht eines Clowns, deren traurige Züge sie in fette Lagen Ölfarbe gekratzt hatte.

Düstere Voraussage für kommende Zeiten auf dem Kunstmarkt?

Bei dem deutschen Galeristen Friedrich Petzel wurde gleich doppelt gefeiert: Die Berliner Künstlerin Corinne Wasmuth füllte mit ihren ästhetischen Alltags- und Naturszenen die Wände. Nebenan zeigte die Kölnerin Cosima von Bonin Betonpilze, einen selbst genähten Bernhardiner, der für den Rettungseinsatz bereit schien, und die handgestickte Lebensweisheit "Harmonie ist eine Strategie". Perry Rubenstein überließ seine beiden Galerien der in Syrien geborenen Diana Al-Hadid. Auf der 24th Street hatte die Künstlerin einen "Tower of Infinite Problems" umfallen lassen, der an die Spitze des Chrysler Buildings erinnerte und die Stimmung in New York mit der Krise an der Wall Street nicht besser hätte einfangen können. Passend dazu wurde die alljährliche von Jeffrey Deitch veranstaltete "Art Parade" wegen Sturmwarnungen kurzfristig abgeblasen. Was manche gleich als düstere Voraussage für kommende Zeiten auf dem Kunstmarkt zu deuten wussten. Mit ungebremstem Optimismus schrieb das Internetportal Chelseaartgalleries.com dagegen an: Mit 400 Galerien und Zugängen aus Asien sei Chelsea so global wie nie zuvor und mit einer permanenten Kunstmesse zu vergleichen.

Um sich vom Trubel abzusetzen, hatten sich nicht wenige Galeristen dieses Jahr dazu entschieden, ihre Eröffnungen einige Tage zu verschieben, so dass der Saisonstart wie eine endlos lange Party erschien. Dazu gehörte auch die New-York-Premiere der von Christie's übernommenen Galerie Haunch of Venison am Rockefeller Center mit einer Sammelausstellung ("Abstract Expressionism: A World Elsewhere") und großen Namen wie Mark Rothko, Willem de Kooning und Lee Krasner. Das Museum of Modern Art öffnete seine Türen am Abend mit Cocktails und nervig lärmenden Discobeats, um gleich drei Ausstellungen zu eröffnen. Unter die geladenen Gäste mischten sich die Besucher der Fashion Week. Zu sehen gab es die Gruppenschau "Here Is Every. Four Decades of Contemporary Art", Fotoarbeiten von Josephine Meckseper und dem Südafrikaner Mikhael Subotzky und Lucy McKenzie, die einen eigenen Salon für ihre Bilder gestaltet hatte.

Und noch mehr Frauen: Pipilotti Rist, Catherine Opie, Elizabeth Peyton

Bei Lehmann Maupin auf der Chrystie Street ließ Jennifer Steinkamp in ihren Videoprojektionen giftige Blumen die Wände entlangranken. Cheim & Read setzte auf neue Arbeiten von Louise Bourgeois. Und Isca-Greenfield Sanders begeisterte bei Goff + Rosenthal mit ihrer Interpretation von Freiheit und Bildern von Fallschirmspringern im freien Fall. Es war auffällig, wie viele Galeristen sich zum Auftakt für ihre Künstlerinnen entschieden hatten und damit den Ton für die neue Saison anschlugen: Es wird ein Fest der Frauen. Ob im Guggenheim, wo der Fotografin Catherine Opie und ihren Bildern aus dem lesbischen Leben ab 26. September eine große Ausstellung gewidmet wird. Ob im New Museum of Contemporary Art, das die Malerinnen Elizabeth Peyton und Mary Heilmann übernehmen werden. Oder im MoMA, das mit Ausstellungen von Pipilotti Rist und Marlene Dumas folgen wird.

"Josephine Meckseper and Mikhael Subotzky"

Termin: bis 5. Januar 2009, MoMa, New York.
http://www.moma.org/exhibitions/exhibitions.php?id=8380&ref=calendar