Schirn - Frankfurt

Geniale Apparate

Die Frankfurter Ausstellung "Kunstmaschinen-Maschinenkunst" zeigt Geräte, Apparate und Raumskulpturen, die - von Künstlern geschaffen - selbst Kunst hervorbringen
Maschinen machen Kunst:Die Ausstellung "Kunstmaschinen-Maschinenkunst"

Jean Tinguely: "Cyclograveur", 1960, geschweißtes Altmetall, Fahrradteile, Blechteile, Trommel, Zimbel, Buch

Künstler machen Kunst. Doch manchmal machen Künstler auch Maschinen – die ihrerseits Kunst produzieren. Werden die Maschinen dann zu Künstlern? Und die Künstler Ingenieure?
Da ist ein Roboter, aus dem erhitztes Polyethylen fließt, das zu starren Haufen abkühlt. Kunst? Da ist Jean Tinguelys „Machine à dessiner“, die auf Papierrollen ein zittriges Gestrichel malt. Ist die Maschine Künstlerin? Da ist Damien Hirsts „Making Beautiful Drawings“ und Olafur Eliassons „Endless Study“, beide Apparate, die das Mitwirken des Betrachters einfordern. Wird dieser dann zum Künstler? Mit Arbeiten von Lia, Milton Manetas und Cornelia Sollfrank kommt schließlich die „Metakunstmaschine“ World Wide Web ins Spiel.
Das Vertrauen der Menschen in Maschinen sei die Basis der industriellen Revolution und unseres Wohlstandes, sagt Max Hollein, Direktor der Schirn. Dem Künstler sei dieses Vertrauen aber immer fremd gewesen – weshalb sich die Kunst der Maschinen zur Herstellung ihrer selbst nur zögerlich bediente. Wird aber – wie seit Tinguelys Zeichenmaschinen „Méta-matics“ - die Maschine als eigenständiger kreativer Apparat gewürdigt, „kommt dies einer Aufgabe der Autonomie des Künstlers gleich“, so Hollein. Und berühre damit die hochaktuelle Thematik der permanenten Grenzverschiebung zwischen Individuum und Technologie.
Die Ausstellung „Kunstmaschinen Maschinenkunst“, die vom 18. Oktober 2007 bis zum 27. Januar 2008 in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle zu sehen ist, thematisiert in allen ausgestellten Arbeiten (unter anderen von Pawel Althammer, Michael Beutler, Rebecca Horn, Roxy Paine, Andreas Zybach) das Verhältnis zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter. Und stellt die Frage nach dem kreativen Akt.
Sie legt die Deutung nahe: dass die Maschine zwar ohne die Anwesenheit des Künstlers produzieren kann – doch nie ohne die Idee des Künstlers existierte.

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