Sammlung Falckenberg - Kuba-Bilder

Glorreiche Inszenierung der Macht

Aus den kubanischen Revolutionshelden sind längst Diktatoren und Pop-Ikonen geworden. Eine Ausstellung in den Hamburger Phoenix-Hallen mit seltenen Orginalfotos zeigt die kämpferischen Anfänge – und die manipulative Kraft der Bilder
Revolution in 200 Bildern:Fotoausstellung mit Che und Fidel in Heldenpose

Raúl Corrales: "La Caballería", Kavallerie rebellierender Soldaten nach der Verstaatlichung des Central Preston, Oriente.

Das Foto ist zu einem solchen Klischee verkommen, dass man es eigentlich nicht mehr zeigen kann. Es ziert Hauswände, Plattencover, T-Shirts und Kaffeetassen auf der ganzen Welt: Che Guevara mit Barett, wildem Haar und entschlossenem Blick. Das Bildnis des romantischen Revolutionärs, der zur Pop-Ikone wurde und heute als sinnentleertes Mode-Accessoire herhalten muss, ist das am meisten verbreitete Bild in der Geschichte der Fotografie. Aufgenommen wurde es einst von Alberto Díaz Gutiérrez, der unter dem Künstlernamen "Korda" in den fünfziger und sechziger Jahren ein Fotostudio in Havanna betrieb. Bevor er zu Fidel Castros Hausfotografen avancierte, hatte er sich im vergnügungssüchtigen Kuba der Batista-Ära bereits einen Namen als Werbe- und Modefotograf gemacht und bewunderte Fotografen wie Richard Avedon und Irving Penn. Das erkärt den Hang zur stylischen Inszenierung seiner Revolutionsporträts.

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Strecken Teaser

Die Ästhetisierung der Macht ist denn auch das eigentliche Thema der Fotoausstellung "Kuba: Bilder einer Revolution" in der Hamburger Sammlung Falckenberg. Rund 200 Bilder der kubanischen Umbruchszeit von 1959 bis 1970 haben die Kuratorinnen Martje Schulz und Lesbia Vent Dumois ausgesucht. Dabei handelt es sich ausschließlich um Fotos kubanischer Fotografen: Neben Korda sind es Raúl Corral Fornos (Corrales), Osvaldo Salas Freire (Salas), Roberto Salas und Liboro Noval. Sie dokumentierten Schlüsselszenen und Protagonisten der Revolution – auch im offiziellen Auftrag der neuen Machthaber. Die kontrastreichen Schwarzweißbilder zeigen den Guerilla-Kampf im Dschungel, fahnenschwingende Massen, die Revolutionäre hoch zu Ross, aber auch intimere Bilder, etwa von einer Begegnung zwischen Che Guevara und Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Und natürlich immer wieder Bilder von "Máximo Líder" Fidel Castro, am Rednerpult, im Dialog mit den Bauern, zigarrerauchend in der Hängematte, beim Golfen oder beim Baseballspiel in New York. Es sind geschönte, von Blut, Hass und Intrigen gereinigte Ansichtskarten der kubanischen Revolution. Ein ideologisch aufgeladener Nostalgietrip, der inhaltlich gesehen, gerade weil er die neueren Entwicklungen völlig ausklammert, nach Staatspropaganda riecht.

Aus künstlerischer Sicht sind die Fotos dagegen ein seltener Leckerbissen. Die Kuratoren haben in den Archiven der Fotografen gewühlt, Negative gesichtet und exquisite Neuabzüge der alten Revolutionsbilder herstellen lassen. Der Einfluss der Studiofotografie der vierziger und fünfziger Jahre und der Drang zur theatralischen Inszenierung sind unübersehbar. Gespräche mit den Fotografen oder ihren Hinterbliebenen haben zudem ergeben, dass es sich bei einigen bildmächtigen Motiven, etwa dem von Corrales fotografierten Aufmarsch der rebellierenden Soldaten zu Pferde und mit wehenden Fahnen, gar nicht um Dokumentarfotos handelt. Die Szenen wurden nachgestellt. Das erhebt die Fotos endgültig zu Kunstprodukten, virtuosen Formspielen zur Bebilderung einer Revolution, die in Wirklichkeit wohl weit weniger fotogen war, als uns diese Bilder glauben machen wollen.

Kuba. Bilder einer Revolution

Bis 31. Januar 2008. Sammlung Falckenberg, Phoenix-Hallen Hamburg, Wilstorfer Str. 71, Führungen Samstags 15 Uhr nach Anmeldung, Tel. 040-32506762,
http://www.sammlung-falckenberg.de/
besuch@sammlung-falckenberg.de

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