200 Jahre Kunstakademie München - Jubiläumsschau

Patriarchaler Weihrauch

Im Haus der Kunst in München läuft gerade die Jubiläumsschau "Die Kraftprobe". Gezeigt werden weitgehend Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert – weit weg von Rebellentum und Neuigkeiten.
Rustikal und verstaubt?:Patriarchaler Weihrauch im Haus der Kunst

Paul Höcker: "Jünglingsakt mit Fisch", um 1900

200 Kerzen kann man der altehrwürdigen Institution auf ihrer Geburtstagstorte anstecken. Fürwahr, eine Kaderschmiede der Avantgarde war die Münchner Akademie der bildenden Künste noch nie. Aber so rustikal und plüschig und verstaubt, wie sie jetzt in der Jubiläumsschau "Die Kraftprobe" im Haus der Kunst zelebriert wird, das hat sie auch nicht verdient.

Über den gesamten Ostflügel wird fast nur 19. Jahrhundert ausgewalzt. Kurator León Krempel hat sich hoffnungslos in den Archivpfaden zu ehemaligen Studenten aus dem Ausland verstrickt. Und befördert eine Unzahl von drittklassigen Kunstmalern aus Osteuropa ans Licht. Zu spät hat man im Haus der Kunst den Gammelgeruch der Historienschinken gerochen. Kurz vor Eröffnung konnten sich deshalb noch ein paar Zeitgenossen unter die kraftmeierischen Kulissenmaler schmuggeln. Außer Katalog werden Günther Förg, Karin Kneffel, Gerhard Merz und Olaf Metzel präsentiert.

Über diese Auslese gibt es jetzt hinter vorgehaltener Hand Gerede. Denn nach einer Abstimmung an der Akademie sollten keine gegenwärtigen Professoren an der Ausstellung partizipieren. Doch auch die Neuzugänge über die Hintertür retten kaum aus dem altbackenen Gepräge. Während Stephan Huber zumindest einen diskursiven Marathon an der Akademie abhält, in dem Probleme wie die hauseigenen patriarchalen Strukturen zur Sprache kommen, stellt sich der Rest der Professorenschaft tot oder verfällt in Beweihräucherungsgesten.

"Revolution ist herrlich, alles andere ist Quark!", ertönte es zu Zeiten der Studentenunruhen. Die Akademie heute ist Lichtjahre von solchem Rebellentum entfernt. Karl von Piloty steht ihr näher als Franz Ackermann und Thomas Demand, die hier immerhin auch einmal studiert haben. Zeit für einen Gesinnungswandel, bevor die Akademie vollends in der Historie versinkt.

"Die Kraftprobe – 200 Jahre Kunstakademie München"

Termin: bis 31. August 2008, Haus der Kunst, München.
http://www.hausderkunst.de/

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