Rencontres d'Arles 2009 - Fotofestival

40 Jahre Skandale und Innovationen

Die 40. Ausgabe der "Rencontres d’Arles" hat in der südfranzösischen Kleinstadt begonnen: Bis zum 14. September sind dort 60 Ausstellungen zu sehen und 60 000 Besucher werden erwartet. Zu seinem Jubiläum huldigt das Fotofestival Künstlern, die seit 1969 seine Entwicklung begleitet und seinen Ruf gefestigt haben.

"Aus Anlass des 40-jährigen Jubiläums dieses Abenteuers wollten wir nur allzu gerne all jene einladen, die großzügigerweise ihre Arbeiten präsentiert haben", erklärt der Leiter der Rencontres d'Arles François Hébel. Tatsächlich ist das Programm dieses Sommers von zahlreichen bedeutenden Fotografen geprägt, die seit Jahren regelmäßige Gäste in Arles sind und oft für Skandale aber auch Innovation gesorgt haben.

Zu den bekanntesten von ihnen zählt Nan Goldin, die auch Gastkuratorin des diesjährigen Festivals ist. 1987 hatte die noch unbekannte amerikanische Fotografin mit ihrer Diashow "The Ballad of Sexual Dependency" das Publikum gespalten; zu sehen waren absichtlich unscharfe, ungewöhnlich angeschnittene Bilder aus dem Leben der Fotografin. Die explizite Darstellung von Sexualität, Gewalt und Drogen hatte Buh- wie Bravorufe ausgelöst. An diese Art von Wirklichkeitsnähe war das damalige Publikum nicht gewöhnt. Mehr als 20 Jahre später kehrt Nan Goldin als prägende Figur der Fotografie zurück. Auch "The Ballad Of Sexual Dependency" ist wieder zu sehen und wird zusätzlich im antiken römischen Theater von Arles als Diashow gezeigt. Außerdem werden Nan Goldins Projekt "Soeurs, Saintes et Sibylles" sowie ihre private Fotografie-Sammlung und eine Auswahl von Werken ihrer Freunde an drei verschiedenen Orten der Stadt präsentiert.

Rätselhafte Bildkompositionen

Die Veranstaltung sei auch eine Huldigung an die Pioniere der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, so François Hébel. Der Fragmentfotografie von Lucien Clergue, einem der Gründer des Festivals, ist eine Austellung in der Abtei Montmajour bis zum 13. September gewidmet: rätselhafte Bildkompositionen, die durch Doppelbelichtung wiederkehrende Motive wie Stierkampf, Akte und biblische Szenen mischen. Zudem ist dieses Jahr die erste Retrospektive des mittlerweile 99-jährigen französische Fotografen Willy Ronis zu sehen, der besonders für seine engagierten und sachlichen Darstellungen der Pariser Unterschicht der Nachkriegszeit bekannt ist.

Die in den ersten Jahren hauptsächlich von amerikanischen Künstlern geprägten "Rencontres" spiegeln heute die Vielfältigkeit der internationalen Fotografie wider; Fotografen aus mehr als 20 Ländern nehmen dieses Jahr an der Veranstaltung teil. So vertritt der Deutsche Elger Esser die Düsseldorfer Schule mit einer Reihe sepia getönter Bilder der französischen Provence. Das Programm des Festivals reicht von international renommierten Fotografen bis zu noch unbekannten Künstlern, die hier ein Sprungbrett finden. Der Preis der "Rencontres d'Arles", der jährlich einem Nachwuchsfotografen verliehen wird, lässt diesen Sommer 15 junge Künstler miteinander konkurrieren. Außerdem sind die Arbeiten der Studenten der ortsansässigen Fotografiehochschule ENSP in mehreren Ausstellungen zu sehen. Parallel zu den Ausstellungen können die Besucher an Seminaren, Debatten und Workshops teilnehmen.

"Rencontres d'Arles 2009"

Termin: bis 14. September, Arles, Frankreich
http://www.rencontres-arles.com/A09/C.aspx?VP3=CMS&ID=A09P770