Kulturgeschichte - Babylon und Co.

Babylon trifft Wikinger

Sommerzeit – Reisezeit: Zeit für die großen kulturhistorischen Ausstellungen. art stellt die interessantesten Museumsschauen vor – vom antiken Babylon bis zu den Wikingern.

Babylon – da tauchen aus dem Dunkel der Geschichte Namen wie Hammurabi, Semiramis und Nebukadnezar auf oder das legendäre Sprachgewirr um den Turmbau zu Babel, das noch heute als Metapher für völliges Unverständnis herhalten muss. Was es mit dem antiken Babylon tatsächlich auf sich hat, ist in diesem Sommer im Berliner Pergamonmuseum zu erfahren.

Das Haus besitzt mit dem Ischtar-Tor und der – teilweise rekonstruierten – Prozessionsstraße ohnehin schon zwei Highlights babylonischer Kunst aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, die zu den Weltwundern der Antike gehören. Durch die Kooperation mit dem Pariser Louvre und dem British Museum in London sind in der Ausstellung über 800 Objekte vereint.

Die Ausstellung legt die Wurzeln der abendländischen Kultur durch den Blick auf die archäologischen Relikte frei und zeigt, was hinter den Legenden steckt. Über 800 Objekte, darunter Statuen, Reliefs, Weihgaben, Architekturteile und Schriftzeugnisse, werden gezeigt.

Untersucht wird auch Babylon als Sinnbild für Unfreiheit und Unterdrückung, Terror und Gewalt, Hybris und Wahn. Es wird unter anderem gezeigt, wie Künstler späterer Jahrhunderte den Mythos verarbeitet haben: In mittelalterlichen Handschriften taucht die Vorstellung von Babylon auf, Maler des 19. Jahrhunderts verarbeiteten gerne das Thema, und selbst Gegenwartskünstler wie Dash Snow oder Douglas Gordon haben Babylon in ihr Repertoire aufgenommen.

Leoben: "Die Wikinger"

Wie jedes Jahr stellt die Kunsthalle der österreichischen Stadt Leoben einen besonderen Kulturraum vor, in diesem Jahr den der Wikinger. Die Ausstellung will mit Gold- und Silberschmuck, prachtvollen Schnitzereien, Alltagsgegenständen wie Gläsern, Spielsteinen oder Kämmen belegen, dass die rauen Burschen aus dem hohen Norden zwar verwegene Seefahrer waren, auf ihren Eroberungszügen nicht eben zimperlich, aber auch ein Volk mit einer ausgeprägten Kultur. So ist auch zu sehen, dass die Krieger keine albernen Pötte mit zwei Hörnern auf dem Kopf trugen, so die Klischeevorstellung spätestens der TV-Serie „Wicki und die starken Männer", sondern mit kunstvoll gearbeiteten, fein ornamentierten Helmen in den Krieg zogen. (bis 30. November, Katalog: 29 Euro)

Hildesheim: "Bild & Bestie"

Kunstvolle Metallarbeiten aus dem 13. Jahrhundert sind unter dem Titel "Bild & Bestie" im Hildesheimer Dommuseum zu sehen. Versierte Goldschmiede fertigten bronzene, figurative Trinkgefäße und andere Gegenstände vor allem in Form von Tieren – zur fantasievollen Fauna gehören Fuchs und Adler, Löwe und Widder, dazu kommen Darstellungen mythologischer Wesen wie einer Sirene oder eines Zentauren.

Diese perfekten Bronzen waren das Ergebnis einer technischen Revolution: Der in der Antike bereits praktizierte Hohlguss wurde in Hildesheim wiederbelebt, die Hildesheimer Bronzen waren in der ganzen damals bekannten Welt begehrt. (bis 5. Oktober, Katalog: Verlag Schnell + Steiner, 39,90 Euro, nach Ausstellungsende 49,90 Euro)

Bregenz: "Schatzkunst zwischen Bodensee und Chur"

Um Gold geht es im österreichischen Bregenz. Die große Sommerausstellung des Vorarlberger Landesmuseums widmet sich der "Schatzkunst zwischen Bodensee und Chur". Beginnend mit frühchristlicher Kunst des 6. und 7. Jahrhunderts, spannt die Austellung den Bogen bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts mit der Reformation. Kostbare Reliquienschreine oder ein Evangelium Karls des Großen aus dem 9. Jahrhundert sind Höhepunkte der Schau, deren zweiter Teil in der Johanniterkirche in Feldkirch zu sehen ist. (bis 5. Oktober, Katalog: Verlag Hatje Cantz, 39,80 Euro)

London: "Hadrian – Empire and Conflict"

Einem der ganz großen Herrscher der Geschichte, dem römischen Kaiser Hadrian (76 bis 138 nach Christus), widmet sich das British Museum in London. Er war ein großer Bewunderer von Kunst und Kultur der griechischen Antike, ein Schöngeist, der sich nicht durch Eroberungszüge hervortat, sondern sich um die Befestigung der bestehenden Landesgrenzen kümmerte. Der Schutzwall quer durch Mittelengland, der die römischen Besitzungen vor Überfällen durch die wilden Krieger der Pikten schützen sollte. trägt noch heutem seinen Namen.

Der Architektur galt Hadrians Leidenschaft – das Pantheon in Rom und die Reste seiner Villa in Tivoli zeugen heute noch davon. Ein Kapitel gilt der großen Liebe Hadrians, dem Jüngling Antinoos. Als der im Jahr 130 bei dem Versuch, den in Not geratenen Kaiser aus dem Nil zu retten, selbst ertrank, erhob Hadrian ihn in den Status eines Gottes – Statuen, Büsten und silberne Abbildungen des Geliebten zeugen davon. (24. Juli bis 26. Oktober, Katalog: 25 Pfund, Hardcover 40 Pfund)

"Babylon" im Pergamonmuseum

Termin: 26. Juni bis 5. Oktober. Verlängerte Öffnungszeiten: So–Mi: 9–18 Uhr, Do–Sa: 9–22 Uhr. Katalog: Hirmer Verlag, zwei Bände, 55 Euro. London, British Museum: 13. November bis 15. März 2009
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