Reiner Ruthenbeck - Duisburg / Düsseldorf

Die Lust am Maßvoll-Surrealen

Eine umfangreiche Retrospektive zum Werk des Düsseldorfer Bildhauers Reiner Ruthenbeck ist als Doppelausstellung im Duisburger Lehmbruck-Museum und der Düsseldorfer Kunsthalle zu sehen. Ruthenbeck zählt mit seinem auf Form, Farbe und Material reduzierten, hintergründig-humorvollem Werk zu den bekanntesten Bildhauern seiner Generation.

Seit der erste Höhlenmensch zwei Steine aufeinanderschlug, um sie nach seiner Vorstellung zu formen, hat sich in der Bildhauerei nicht viel geändert. Stets will sich der Geist das widerspenstige Material gefügig machen, die Frage ist nur, zu welchem Preis?

In den sechziger Jahren fanden viele Künstler, dass die Minimal Art mit ihren blank geputzten Idealformen zu weit gegangen war. Sie wollten zeigen, dass ihre Stoffe le­bendig sind, und griffen bevorzugt auf weiche Materialien oder industriell Gefertigtes zurück.

Inmitten dieser Bewegung verfolgt der 1937 geborene Beuys-Schüler Reiner Ruthenbeck bis heute einen unverwechselbaren Kurs. Zunächst kehrte er Aschehau­fen zusammen, um die Vergänglichkeit von Kunstwerken herauszustreichen, er formte Büsten aus schwarzem Draht und verteilte in seiner Serie "Umgekippte Möbel" Tische, Bänke und Stühle scheinbar wahllos in einem Raum.

Verblüffende Lösungen für klassische Prob­leme

Mit derselben Lust am Maßvoll-Surrealen präsentiert Ruthenbeck seitdem verblüffende Lösungen für klassische Prob­leme der Objektkunst: Den Widerstreit zwi­schen Leichtem und Schwerem demonstriert er an einem Tisch, der auf stählernen Spinnenbeinen im Raum zu schweben scheint, während sich vor einem Berg sorgsam zerknüllten Papiers die Frage nach dem Zusammenhang von Masse und Volumen stellt.

Mit der Kunsthalle Düsseldorf und dem Wilhelm-Lehmbruck-Museum in Duisburg machen sich nun gleich zwei Institutionen gemeinsam daran, Ruthenbecks reiches Schaffen einem größeren Publikum vorzustellen. In Duisburg sind vor allem frühe Arbeiten zu sehen, da­runter zahlreiche Fotografien und Plastiken, die während seines Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie entstanden sind. Dabei ist zu beobachten, wie sich Ruthenbeck vom Massiven, Monolithi­schen zum Leichten, Transparenten entwickelte. Die Kunsthalle Düsseldorf zeigt dank ihrer baulichen Möglichkeiten große, raumgreifende Installationen, die Ruthenbeck ab den siebziger Jahren entwickelte, sowie konzeptuelle Werkgruppen wie die "Geräuschstücke" und die "Kinetischen Objekte". Ein für November angekündigtes Werkverzeichnis rundet das Unternehmen ab.

"Reiner Ruthenbeck"

Termin: bis 11. Januar 2009, Kunsthalle Düsseldorf und Wilhelm-Lehmbruck-Museum. Katalog: Verlag der Buchhandlung Walther König.
http://www.kunsthalle-duesseldorf.de/

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