Bruce Nauman - Hamburger Bahnhof

In beklemmenden Räumen

Der Hamburger Bahnhof zeigt die deutschlandweit erste Retrospektive des US-Installationskünstlers Bruce Nauman in Berlin.

Der Sammler ist kein Zauderer – schon gar nicht, wenn es um den Erwerb großer Werkblöcke geht. Friedrich Christian Flick scheut kostspielige Hauptwerke nicht, und auch bei der Trennung wird geklotzt: Vor zwei Jahren beschenkte er das Berliner Gegenwartsmuseum Hamburger Bahnhof großzügig mit 166 Werken von insgesamt 44 Gegenwartskünstlern – darunter ein bedeutender Werkblock des Amerikaners Bruce Nauman, ein Herzstück der Sammlung.

Er trenne sich mit "Freude ebenso wie mit etwas Wehmut" ließ Flick verlauten. Seine im Museum präsentierte Sammlung hatte lange für gemischte Gefühle gesorgt: Erwirtschaftete Flicks Großvater Friedrich doch als Rüstungsfabrikant während der Nazi-Zeit mit der Ausbeutung von Zwangsarbeitern und Arisierungsverbrechen einen großen Teil des Familienreichtums.

In den beklemmenden Räumen und dem von Gewalt durchdrungenen Werk von Bruce Nauman mögen Assoziationen daran wach werden. Naumans spektakuläre Rauminstallation "Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care" (1984), ein unheimlicher dreidimensionaler Kreuzgang, galt nach seiner ursprünglichen Realisierung Mitte der achtziger Jahre in der New Yorker Galerie von Leo Castelli eigentlich als zerstört. Nun ist er in Berlin zum ersten Mal anlässlich einer umfassenden Retro-spektive wieder in seiner ursprünglichen Form zu sehen. Von jetzt an wird er dauerhaft in der Halle 5 der Rieck-Hallen aufgebaut bleiben: eine tiefe Verbeugung des Direktors Udo Kittelmann vor einem der großen Zeitgenossen der US-Nachkriegsgeneration und Zeichen für die glückliche Liaison des Museums mit einer umstrittenen Sammlung.

Doch die von Gabriele Knapstein und Eugen Blume eingerichtete Ausstellung geht über eine reine Berliner Bestandspräsentation hinaus. Unter den rund 35 Exponaten, die mit Skulpturen, Korridoren, Videoarbeiten und Neonarbeiten die ganze mediale Spannbreite von Naumans Œuvre erkunden, sind auch in Deutschland selten gezeigte Installationen wie der "Kassel Korridor: Elliptical Space" (1972) von der Documenta 5 – eine Leihgabe des Guggenheim New York – oder die Videoinstallation "Clown Torture" (1987) vom Art Institute of Chicago.

"Bruce Naumann. Dream Passage"

Termin: bis 10. Oktober, Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin. Der Katalog erscheint im DuMont Buchverlag und kostet 29,95 Euro
http://www.hamburgerbahnhof.de/exhibition.php?lang=de