Müller vom Siel - Oldenburg

Kreativschub in der Anstalt

Georg Bernhard Müller vom Siel begann als konventioneller Landschaftsmaler und kam während einer Depression zu einer fantasievollen, hintergründigen, fast surrealistischen Malerei. Die faszinierend ungewöhnliche Werke sind jetzt im Oldenburger Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zu sehen.

Sieht man von der Zahl der Geschwister ab – er war das jüngste von zwölf – hatte Georg Müller vom Siel (1865 bis 1939) eigentlich eine völlig normale Kindheit. Dann aber wurde die Vita ungewöhnlich: Mit 15 siedelte er in die USA über, besuchte in New York eine Mal- und Zeichenschule.

Nach ausgedehnten Reisen zurück in Deutschland, avancierte er zu einem beliebten und bedeutenden Landschaftsmaler. Der künstlerische Umschwung kam 1908. Müller vom Siel war zu dieser Zeit offensichtlich bereits psychisch erkrankt. Der Bruder, Carl Friedrich Müller-Königsfeld, beschrieb eine "weitgehende Überreizung des gesamten Nervensystems" und "ordentlich schwere Gemütsdepressionen". Er registrierte "erotische Handlungen und Gebärden, wenn er weiblichen Personen gegenübertritt" und ließ den Bruder aus "Besorgniß vor möglichen Exzessen nach dieser Richtung" in die Großherzoglich-oldenburgische Heil-und Pflegeanstalt im niedersächsischen Wehnen einweisen.

Er malte sich seine Obsessionen von der Seele

Hier aber erlebte bei Müller vom Siel eine kreative Explosion: Er malte sich seine Obsessionen von der Seele – es entstanden fantasievolle, hintergründige, fast surrealistische, mit gestochener Handschrift kommentierte Blätter, die aus heutiger Sicht stark an die Malerei der Transavanguardia etwa eines Francesco Clemente (Jahrgang 1952) erinnern. Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg hat jetzt im Prinzenpalais eine große Ausstellung des Außenseiters unter dem Titel "Der andere Müller vom Siel" organisiert, die von einem fabelhaften Katalog begleitet wird.

"Der andere Müller vom Siel"

Termin: bis 21. September. Katalog: Kerber Verlag, 34,80 Euro
http://www.landesmuseum-oldenburg.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=24353&_psmand=184

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