Meroe – Königreich am Nil - Louvre Paris

Das Reich des goldenen Bogenschützen

Aus dem sudanesischen Nationalmuseum in Khartoum sowie aus europäischen Museen kamen die Schätze des alten Königreiches Kusch (Nubien) und seiner Hauptstadt Meroe nach Paris.
Schätze aus Meroe:Kunst aus dem heutigen Sudan im Louvre

Statue (Bronze vergoldet) eines Königs als Bogenschütze

Denkt man an Ägypten, so fallen einem unwillkürlich die Pyramiden von Gizeh oder die Sphinx ein. Beim Stichwort "Sudan" aber kommen Bilder des mörderischen Bürgerkriegs zwischen religiösen und ethnischen Gruppierungen hoch, der Millionen von Menschen das Leben gekostet hat. Viel weniger bekannt ist, dass dieses Land eine ähnlich große, jahrtausendealte Vergangenheit hat wie Ägypten – deren beeindruckende Zeugnisse heute keinen Vergleich mit denen im nördlichen Nachbarland zu scheuen brauchen.

Etwa zwischen dem dritten und dem fünften Katarakt, wo der Nil im Süden von Ägypten in Form einer riesigen S-förmigen Schleife strömt, befand sich – auf dem heutigen Staatsgebiet des Sudan – das Kernland von Nubien, auf altägyptisch Kusch genannt. Etwa von 400 vor bis 300 nach Christus war Meroe die Hauptstadt, die aus einem ummauerten Palastbezirk, einem Bereich für die Bevölkerung und einem dem Gott Amun geweihten Tempelkomplex bestand. Die Ruinen der Paläste und Tempel sind heute noch erhalten, vor allem aber die Pyramiden, die wie im alten Ägypten Grabmale waren. In Nubien gibt es noch heute über 200 dieser Bauten, erheblich mehr, als im ägyptischen Reich. Die nubischen Pyramiden aber haben einen viel spitzeren Neigungswinkel, außerdem waren sie dicht an dicht nebeneinander errichtet.

Kusch mit seiner Hauptstadt Meroe gehört zu jenen antiken Reichen, denen Autoren, Filmemacher und Ausstellungskuratoren gerne das Adjektiv "geheimnisvoll" anhängen – bei seiner Ausstellung verzichtete der Pariser Louvre glücklicherweise auf solche Geheimniskrämerei und nennt seine Ausstellung schlicht "Meroe – Königreich am Nil".

Diese erste Ausstellung, die komplett Meroe gewidmet ist, vereint rund 200 Objekte, die die Größe dieser versunkenen Kultur zeigen, aber auch ihre Durchmischung mit den Einflüssen afrikanischer, ägyptischer und gräko-romanischer Kunst. Fantastische Leihgaben kamen vor allem aus dem sudanesischen Nationalmuseum in der Hauptstadt Khartum. Highlights sind hier die vergoldete Bronzestatue eines Königs als Bogenschützen, der streng stilisierte steinerne Kopf eines Mannes, kunstvoll gemeißelte Grabstelen und Trinkbecher. Weitere Leihgaben kamen aus dem British Museum, dem Garstang Museum der Universität Liverpool, der Staatlichen Sammlung Ägyptische Kunst in München sowie den ägyptischen Sammlungen im niederländischen Leiden und in Berlin.

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